Donnerstag, 18. Juli 2019

Vermietung und Verpachtung, Kapitalanlage

Altfälle mit Sonderabschreibung: Spekulationsgewinn richtig berechnen

Altbau

Ein sanierter Altbau

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 24.07.2013

Die Verlängerung der Spekulationsfrist von zwei auf zehn Jahre führte noch Jahre später zu Problemen. Denn wie ist der Gewinn in den Fällen zu berechnen, bei denen die Anschaffung vor der Einführung der Gesetzesänderung erfolgte? Das Finanzgericht Münster fällte dazu ein für Steuerpflichtige freundliches Urteil.

Mit dem Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 wurde die zweijährige Veräußerungsfrist auf zehn Jahre verlängert. Dabei machte der Gesetzgeber jedoch einen Fehler und führte die Regelung rückwirkend ein. Das Bundesverfassungsgericht kippte das Gesetz zum Teil und beschloss, dass Veräußerungsgewinne, die bis zum 31. März 1999 eingetreten sind, steuerfrei zu bleiben haben.

Das führt natürlich zu einem neuen Problem: Denn wie ist der Veräußerungsgewinn zu berechnen, wenn eine Immobilie vor dem 31. März 1999 angeschafft und nach diesem Stichtag veräußert wurde? Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) machte es sich einfach. Mit Schreiben vom 20. Oktober 2010 wies es an, den Gewinn einfach zeitanteilig aufzuteilen.

Beispiel: Eine Immobilie wurde am 1. April 1996 angeschafft und am 31. März 2000 veräußert. Der Veräußerungsgewinn beträgt 100.000 Euro. Laut BMF wäre der Gewinn zeitanteilig in einen steuerpflichtigen und nicht steuerbaren Teil aufzuteilen:

Wertzuwachs vom 1. April 1996 bis 31. März 2000

100.000 €

davon nicht steuerbar, 36 Monate (3/4)

75.000 €

davon steuerpflichtig, 12 Monate (1/4)

25.000 €

Neben dieser Vereinfachungsregel konnten Steuerpflichtige auch eine Aufteilung nach tatsächlichen Wertverhältnissen vornehmen. Dies war aber nur möglich, wenn ein Wertzuwachs nachgewiesen wurde. Dies galt beispielsweise dann, wenn ein unbebautes Grundstück als Bauland ausgewiesen wurde und deswegen außerordentlich im Wert stieg.

Doch ist für die Aufteilung wirklich der tatsächliche Wertzuwachs entscheidend? In einem aktuellen Fall klagte ein Steuerpflichtiger, der in den Anfangsjahren eine Sonderabschreibung nach dem Fördergebietsgesetz in Anspruch genommen hatte. Die Sonderabschreibung wurde vor dem 31. März 1999 einkommensmindernd berücksichtigt. Nach altem Recht hätte sich die erhöhte Abschreibung nicht beim Veräußerungsgewinn ausgewirkt, weil der Zweijahreszeitraum bis zum 31. März 1999 schon überschritten war.

Das Finanzamt sah in der in Anspruch genommenen Sonderabschreibung keinen erhöhten Wertzuwachs und wandte daher strikt die vom BMF vorgegebene Vereinfachungsregelung an. Der Gewinn wurde somit einfach zeitanteilig in einen nicht steuerbaren und in einen steuerpflichtigen Anteil aufgeteilt. Die dagegen gerichtete Klage hatte allerdings Erfolg. Das Finanzgericht Münster folgte der Berechnung des Steuerpflichtigen (Urteil vom 21. Juni 2013, Aktenzeichen 4 K 1918/11 E). 

Gegen das Urteil wurde die Revision zugelassen. Es bleibt offen, ob der Bundesfinanzhof das Urteil des Finanzgerichts aufheben wird. Sollten Sie einen vergleichbaren Fall haben, prüfen Sie, ob der Bescheid noch geändert werden kann und wie der Veräußerungsgewinn ermittelt wurde. Führen Sie zum Vergleich folgende Berechnung durch.

So berechnen Sie den Veräußerungsgewinn

Ermitteln Sie zunächst den vollen Veräußerungsgewinn, ohne steuerliche Konsequenzen zu berücksichtigen:

Veräußerungspreis

./. Veräußerungskosten

./. Anschaffungskosten

+ Abschreibungen/Sonderabschreibungen

= Veräußerungsgewinn

Ermitteln Sie im Anschluss den nicht steuerbaren Gewinn bis zum 31. März 1999. Berücksichtigen Sie dabei die bis dahin tatsächlich in Anspruch genommenen Abschreibungen. Die Differenz aus dem vollen Veräußerungsgewinn und dem nicht steuerbaren Gewinn ist der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn.