Dienstag, 15. Oktober 2019

Kapitalanlage

Vorerst keine Besteuerung von Scheingewinnen für BCI Geschädigte

Steile Gewinnkurve

Vorsicht vor zu großen Versprechungen: Ein Anlageberater verschenkt in der Regel nichts

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 08.05.2013

Ein kleiner Wehrmutstropfen für Geschädigte von Schneeballsystemen: Gutschriften, die tatsächlich nie ausbezahlt wurden, müssen vorerst nicht versteuert werden. Das Finanzgericht Köln gab einem Ehepaar Recht, das auf ein zweifelhaftes Anlageangebot der amerikanischen Gesellschaft BCI hereingefallen ist.

Mit einer Traum-Rendite von 15,5 Prozent pro Jahr soll die amerikanische Aktiengesellschaft Business Capital Investors Corporation (BCI) um Anleger geworben haben. Angeblich sollte die Rendite mit Geschäften erzielt werden, die die Banken normalerweise nur untereinander unter Ausschluss der Öffentlichkeit tätigen würden. Ein Geheimtipp also. Insgesamt soll die BCI so an die 100 Millionen Euro eingesammelt haben.

Das Geld scheint aber nicht für den geplanten Zweck verwendet worden zu sein. Die ermittelnden Behörden gehen von einem Schneeballsystem aus. Es ist damit zu rechnen, dass die Anlagen zum größten Teil verloren sind.

Trotz des Anlagebetrugs wurden den Anlegern Erträge gutgeschrieben. Denn nur so kann ein Schneeballsystem eine gewisse Zeit durchgeführt werden. Und diese Erträge sind im Grunde steuerpflichtig, selbst dann, wenn tatsächlich keine Erträge ausbezahlt wurden. Dagegen klagte ein geschädigtes Ehepaar, das 50.000 Euro in die BCI investiert hatte. Das Finanzgericht Köln gaben dem Ehepaar Recht und gewährten vorläufigen Rechtsschutz. Die Steuer ist somit zunächst nicht zu leisten (Beschluss vom 10. April 2013, Aktenzeichen 10 V 216/13). Die Pressemitteilung finden Sie hier.

So funktioniert ein Schneeballsystem

Ein Schneeballsystem ist ein Geschäftsmodell, das nur funktioniert, wenn es stetig neue Teilnehmer bzw. Anleger wirbt. Das Geld der Anleger wird dabei nicht für den vorgesehenen Zweck verwendet. Wenn keine neuen Teilnehmer mehr geworben werden können, bricht das Modell zusammen. 

Um Zeit zu gewinnen und möglichst viele Teilnehmer zu werben, realisieren die Anlagebetrüger Scheingewinne. Oftmals wird die Anlage der neueren Teilnehmer dafür verwendet, um Renditen an bestehende Investoren auszuzahlen. Alternativ kann auch die eigene Anlage der Anleger verwendet werden. Dabei brauchen die Erträge nicht zwingend ausbezahlt werden. Stattdessen hat der Anleger auch die Möglichkeit, die Rendite direkt wieder anzulegen.

Indizien für das Vorliegen eines Schneeballsystems sind sehr hohe Renditen, ein neuartiges "geniales" Geschäftsmodell und eine angeblich 100%-ige Anlagesicherheit. Verdächtig sind auch "Geheimtipps" oder Anlageberater, die den potentiellen Teilnehmer zu einer schnellen Entscheidung drängen. Im Zweifel sollten Anleger besser auf ein solch windiges Geschäft verzichten.