Sonntag, 19. Mai 2019

Erbschaft und Schenkung

Ziehen Sie Sachverständigenkosten als Nachlassverbindlichkeit ab

Fachwerkhaus in Miltenberg

Wie hoch ist der Wert des Grundstücks? Ein Sachverständiger kann den Wert ermitteln und für eine geringere Erbschaftsteuer sorgen.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 10.08.2013

Die Kosten für einen Sachverständigen können erbschaftsteuerlich zu berücksichtigen sein. Dabei kommt es massgeblich darauf an, dass ein enger zeitlicher und sachlicher Zusammenhang mit dem Erbfall vorliegt. Lesen Sie, welche Kosten abgezogen werden können.

Nachlassverbindlichkeiten sind insbesondere Schulden des Erblassers, Pflichtteilsansprüche oder die Beerdigungskosten. Diese Kosten mindern das steuerpflichtige Erbe und somit die Erbschaftsteuer.

Doch nicht alle Kosten, die mit dem Erbfall in Zusammenhang stehen, können als Nachlassverbindlichkeit abgezogen werden. Nicht abziehbar sind beispielsweise die Erbschaftsteuer und die damit verbundenen Rechtsverfolgungskosten, die der Erbe zur Verringerung der eigenen Erbschaftsteuer aufwendet. Das bedeutet aber noch nicht, dass Rechts- und Steuerberatungskosten grundsätzlich nicht abziehbar seien.

Strittig war beispielsweise bis Mitte 2009, ob die Kosten für die Erbauseinandersetzungen berücksichtigt werden können. Der Bundesfinanzhof entschied am 9. Juli 2009, dass diese Kosten abgezogen werden dürfen (Aktenzeichen II R 37/08). Dies betrifft insbesondere Sachverständigenkosten zur Ermittlung der Werte sowie Notariats-, Rechtsanwalts- und Gerichtskosten. Der Bundesfinanzhof stellte auch noch einmal klar, dass Steuerberatungskosten für die Erstellung der Erbschaftsteuererklärung abgezogen werden dürfen.

Das bedeutet: Steuerberatungskosten, die aufgrund der Erstellung der Steuererklärung anfallen, dürfen als Nachlassverbindlichkeit abgezogen werden. Entfallen die Beratungskosten aber auf weitergehende Leistungen, z.B. Rechtsbehelf oder Klage, sind die Aufwendungen nicht abziehbar.

Ein weiterer Grenzfall wurde am 19. Juni 2013 vom Bundesfinanzhof entschieden (Aktenzeichen II R 20/12). Hier ging es um Sachverständigenkosten zur Wertermittlung eines Grundstücks. Anlass für die Wertermittlung war aber nicht eine Erbauseinandersetzung, sondern die Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer. Hier entschied der Bundesfinanzhof, dass die Sachverständigenkosten als Nachlassverbindlichkeit abziehbar seien. Voraussetzung ist aber, dass ein enger zeitlicher und sachlicher Zusammenhang mit dem Erbfall besteht und die Kosten nicht erst durch die spätere Vermögensverwaltung anfallen.