Donnerstag, 18. Juli 2019

Zinsen und Zuschläge

Das Finanzamt als Geldanlage? Warum nicht.

Finanzamt Gebäude

Das Finanzamt als Anlageberater? Wohl kaum.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 04.08.2013

Wenn die Zinsen im Keller sind, werden festverzinsliche Anlagen für Kapitalanleger uninteressant. Warum in diesem Moment nicht an das Finanzamt denken, denn dort gibt es satte und sichere 6 Prozent? Aber die Anlage hat so ihre Tücken.

Wenn das Finanzamt eine Forderung verzinst, beträgt der Zinssatz einheitlich ein halbes Prozent pro vollem Monat. Dies entspricht 6 Prozent pro Jahr. Dieser Zinssatz ist festgeschrieben und ändert sich auch dann nicht, wenn die Zinsen im Allgemeinen wesentlich davon abweichen. Der Bundesfinanzhof bestätigte mit Beschluss vom 29.5.2013 noch einmal, dass der feste Zinssatz von 6 Prozent verfassungsgemäß sei (Aktenzeichen X B 233/12).

Bei welcher festverzinslichen Geldanlage gibt es heute sichere 6 Prozent? Aus diesem Grund kann man schon überlegen, ob man von dieser hohen Verzinsung profitieren könnte. Aber natürlich ist das Finanzamt kein Kreditinstitut bei dem man einfach sein Geld anlegen kann. Die Anlage funktioniert eher indirekt, z.B. durch Hinauszögern einer Steuererstattung.

Wie kann ich die Höhe der Finanzamtszinsen beeinflussen?

Die Höhe des Zinssatzes lässt sich nicht beeinflussen. Es gibt aber Möglichkeiten, eine Erstattung hinauszuzögern oder zu provozieren. Aber Vorsicht: Das Hinauszögern steuerlicher Pflichten kann erhebliche Nachteile bringen. So ist beispielsweise die Festsetzung eines Verspätungszuschlages möglich, auch wenn der Steuerbescheid in eine Erstattung resultiert. Im Ergebnis können solche Zuschläge den Zinsvorteil wieder zunichte machen.

Möglichkeiten, die Finanzamtszinsen zu erhöhen, ergeben sich beispielsweise in folgenden Situationen:

  • Antragsveranlager, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, haben vier Jahre Zeit, ihre Steuererklärung einzureichen. Hierbei haben sie keine Verspätungszuschläge zu befürchten. Es kann also durchaus Sinn machen, die Abgabe der Einkommensteuererklärung auf die lange Bank zu schieben.
  • Wenn Ihr Steuerbescheid fehlerhaft ist und ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Verwaltungsakt bestehen, können Sie die Aussetzung der Vollziehung beantragen. In diesem Fall wird eine Steuernachzahlung vom Finanzamt nicht eingefordert. Aber: Sie müssen die Aussetzung der Vollziehung natürlich nicht beantragen, sondern können die geforderte Steuer zunächst zahlen. Wird Ihr Einspruch zu Ihren Gunsten entschieden, erhalten Sie die Steuer verzinst zurück.
  • Durch höhere Vorauszahlungen können Sie die zu erwartende Steuererstattung künstlich erhöhen. Ebenso könnten Verheiratete eine ungünstigere Steuerklassenkombination wählen. Es kann auch aus anderen Gründen sinnvoll sein, lohnsteuerlich ungünstige Steuerklassen zu wählen, da sich die Lohnsteuer auf andere Bezüge auswirken kann, wie z.B. das Arbeitslosengeld.
Lohnen sich Finanzamtszinsen?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Es hängt von der jeweiligen Situation ab, so dass immer eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen ist. Zu prüfen ist, ob die Steuererstattung an anderer Stelle nicht zu einem höheren Gewinn oder zu niedrigeren Ausgaben führen. 

Beispiel: Arbeitnehmer A ist Antragsveranlager und muss keine Einkommensteuererklärung abgeben. Er erwartet daraus allerdings eine hohe Steuererstattung. Da A einen Kredit mit relativ hohem Zinssatz zu tilgen hat, ist es für ihn günstiger, die Steuererklärung so früh wie möglich einzureichen und die Erstattung zur Tilgung des Kredits zu verwenden.

Ganz so groß ist der Zinsvorteil in der Summe dann doch nicht. Denn man muss bedenken, dass der Zinslauf in der Regel erst 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres beginnt, in dem die Steuer entstanden ist. Konkret bedeutet das: Der Zinslauf für die Erstattung aus der Einkommensteuererklärung 2012 beginnt erst ab dem 1. April 2014.