Donnerstag, 18. Juli 2019

Sonstige private Ausgaben

Wohnungsumbau wegen Schwerbehinderung: Dürfen die hohen Kosten verteilt werden?

Rollstuhlfahrerin geschoben

Ein Rollstuhl erfordert viele Umbaumaßnahmen im Haus.

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 09.02.2014

Jeder zwölfte Deutsche ist schwerbehindert. Die im Zusammenhang mit der Behinderung notwendigen baulichen Veränderungen sind oft sehr kostspielig - schnell wird ein Betrag erreicht, der die Jahreseinkünfte übersteigt. Wirken sich die Aufwendungen dann steuerlich nicht aus? Oder gibt es eine Möglichkeit, die Kosten im Rahmen der Steuerfestsetzung der Folgejahre zu berücksichtigen?

Ob Treppenlift, Rollstuhlrampe oder nachgerüsteter Aufzug: Für den behindertengerechten Umbau von Haus oder Wohnung müssen die Betroffenen tief in die Tasche greifen. Da es sich bei den Investitionen um unvermeidbare Ausgaben handelt, werden sie als außergewöhnliche Belastungen angesehen. Deshalb sind sie – unter Anrechnung einer zumutbaren Belastung – steuerlich absetzbar.

Allerdings sind die Ausgaben in der Steuererklärung in vollem Umfang für das Kalenderjahr anzugeben, in dem sie geleistet wurden. Mit der Folge, dass der Abzug ins Leere läuft, wenn die außergewöhnlichen Belastungen die Jahreseinkünfte übersteigen. In einem kürzlich vor dem Finanzgericht des Saarlandes verhandelten Fall (Gerichtsbescheid vom 06.08.2013 - 1 K 1308/12) standen den Jahreseinkünften des schwerstbehinderten Klägers in Höhe von rund 44.000 Euro Umbaukosten von über 135.000 Euro gegenüber.

Das Finanzamt setzte die Einkommensteuer unter Ansatz des gesamten Umbaubetrages auf 0 Euro fest. Damit wird aber der beabsichtigte steuerliche Entlastungseffekt nur zu einem sehr kleinen Teil erreicht, was den Bundesfinanzhof bereits im Jahr 2009 dazu bewog, dem Steuerpflichtigen für diesen Fall ein Wahlrecht einzuräumen (Urteil vom 22.10.2009, VI R 7/09).

Das Finanzgericht des Saarlandes sah das ebenso: Weil es auch andere Vorschriften im Steuerrecht gibt, mit denen eine Entlastung bei geballt auftretenden Ausgaben erreicht wird, soll das auch hier möglich sein. Im Wege einer so genannten abweichenden Festsetzung von Steuern aus Billigkeitsgründen wird dadurch eine Stückelung möglich. In einem so extremen Fall wie dem Geschilderten soll eine Verteilung der Aufwendungen auf fünf Jahre angemessen sein. Im Ergebnis kann der betroffene Kläger deshalb insgesamt fünf Jahre lang jeweils 27.000 Euro abziehen.

Tipp: Wird Ihnen trotz außergewöhnlicher Belastungen ein solcher Einkommensteuerbescheid zugestellt, sollten Sie unbedingt fristgemäß Einspruch erheben. Lassen Sie den Bescheid außerdem von einem Steuerberater prüfen - möglicherweise können auch in Ihrem Fall Teilbeträge der Umbaukosten in den Folgejahren abgezogen werden.