Freitag, 20. September 2019

Sonstige private Ausgaben

Tanzen Sie Ihren Namen und sparen Sie Steuern durch Heileurythmie

Frau mit geöffneten Armen

Bei der Eurythmie werden Sprachlaute in Bewegung umgewandelt - auch Namenstanz genannt

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 30.06.2013

Die Eurythmie bzw. den Namenstanz kennt man aus Waldorfschulen. Zur Heileurythmie weiterentwickelt soll diese angeblich therapeutisch wirken. So sieht das auch das Finanzgericht Schleswig-Holstein und bejahte den Abzug der Kosten für eine solche Behandlung als außergewöhnliche Belastung.

Bei der Eurythmie werden die Laute unserer Sprache in Bewegung umgewandelt. Man kann demnach Wörter durch Bewegung ausdrücken, also auch seinen eigenen Namen - daher der Ausdruck "Namenstanz".

Bei der Heileurythmie sollen gezielte Bewegungsübungen den erkrankten Menschen wieder ins Gleichgewicht bringen. Die Wirkung dieser anthroposophischen Therapie ist allerdings umstritten. Wie bei der Homöopathie existiert laut Wikipedia auch bei der Heileurythmie kein Wirksamkeitsnachweis. Sie ist wissenschaftlich nicht anerkannt.

Trotzdem werden solche Behandlungen auch vom Arzt oder Heilpraktiker verordnet. Manche Krankenkassen übernehmen dann sogar die Kosten der Behandlung. Falls dies bei Ihnen nicht der Fall sein sollte, können Sie die Kosten aber als außergewöhnliche Belastung abziehen. So entschied das Finanzgericht Schleswig-Holstein in einem aktuellen Fall (Urteil vom 17.04.2013, Aktenzeichen 5 K 71/11).

Laut Finanzgericht brauchen Sie dazu kein amtsärztliches Attest, wie es zum Beispiel bei Bade- oder Heilkuren der Fall ist. Denn laut Finanzgericht handelt es sich bei bestimmten besonderen Therapierichtigungen, wie z.B. bei der Homöopathie, der Anthroposophie oder der Phytotherapie um "wissenschaftlich anerkannte Heilmethoden, die nach festgelegten Regeln in der Praxis individuell angewandt und kontinuierlich mit modernen wissenschaftlichen Methoden weiter entwickelt werden".

Ist die Heileurythmie nun eine wissenschaftlich anerkannte Heilmethode oder nicht? Das hängt offensichtlich vom Betrachter ab. Medizinisch ist sie zwar nicht anerkannt, steuerrechtlich aber schon. Offensichtlich wird der Begriff der Wissenschaftlichkeit im Steuerrecht anders definiert.

Tipp: Gegen das Urteil des Finanzgerichts wurde Revision eingelegt. Wenn das Finanzamt die Kosten trotz Verweis auf das Finanzgerichtsurteil nicht zum Abzug anerkennt, legen Sie gegen Ihren Bescheid Einspruch ein. Berufen Sie sich auf das anhängige BFH-Verfahren (Aktenzeichen VI R 27/13) und beantragen Sie das Ruhen Ihres Verfahrens. Dann bleibt Ihr Bescheid änderbar bis über das anhängige BFH-Verfahren entschieden ist.