Donnerstag, 18. Juli 2019

Sonstige private Ausgaben

Nur verschriebene Arznei kann Steuern sparen

Apotheke

Nur weil man ein Medikament in der Apotheke kauft, ist es nicht zwingend steuerlich abziehbar.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 28.08.2013

Arzneimittel können als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Voraussetzung ist jedoch, dass das Medikament notwendig ist. Als Nachweis der Zwangsläufigkeit gilt eine Verordnung durch einen Arzt oder Heilpraktiker. Nicht verschriebene Mittel können somit nicht steuerlich abgezogen werden.

Nicht jedes Medikament, das in der Apotheke erworben werden kann, muss notwendigerweise auch genommen werden. Es erscheint daher sinnvoll, dass nicht automatisch jedes in der Apotheke gekauftes Arzeimittel steuerlich geltend gemacht werden kann. Denn andernfalls würde der Konsum unnötiger Medikamente steuerlich subventioniert werden.

Ob ein Medikament notwendig ist oder nicht, entscheidet der Arzt oder Heilpraktiker. Wenn man die Aufwendungen steuerlich geltend machen will, muss es also verschrieben worden sein. Standard-Mittelchen wie Schnupfen-Spray oder Kopfschmerztabletten, die in jeder Hausapotheke zu finden sind, fallen also steuerlich unter den Tisch. Dies bekräftigte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 8. Juli 2013 (Aktenzeichen 5 K 2157/12). Das Finanzgericht weist in ihrer Pressemitteilung auf das aktuelle Urteil hin. Die Pressemitteilung finden Sie hier.

Somit gilt ein verschriebenes Präparat als steuerlich abziehbar, ganz gleich ob es Heilung verspricht oder nicht. Umgekehrt kann ein Mittel nicht abgezogen werden, wenn es nicht verschrieben worden ist, auch wenn es dem Patienten hilft. Interessanterweise ergibt sich in der Praxis dadurch dann doch eine (ungewollte?) steuerliche Subvention. Denn Ärzte und insbesondere Heilpraktiker verschreiben auch Scheinmedikamente, wie z.B. Homöopathika. Diese werden steuerlich gefördert, obwohl eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte.

Im Großen und Ganzen muss man aber dafürhalten, dass sich Medikamente in der Steuererklärung nur selten auswirken. Denn die Aufwendungen müssen die sogenannte zumutbare Belastung übersteigen. Und diese beträgt in Abhängigkeit vom Familienstand, der Zahl der Kinder und den Einkünften 1% bis 7% des Gesamtbetrags der Einkünfte (mehr Informationen zur zumutbaren Belastungen finden Sie hier).

Die meisten Steuerpflichtigen erhalten daher auch für ihre verschriebene Arzneimittel keinen Steuervorteil. Mit dieser Begründung könnte man aber auch einfach den Abzug aller Medikamente zulassen und das Verfahren für Finanzamt und Steuerpflichtige vereinfachen. Denn wenn das verschriebene homöopathische Mittel steuerlich abziehbar ist: Warum sollte dann nicht auch das nicht verschriebene Schmerzmittel abgezogen werden können?