Freitag, 20. September 2019

Haushalt und Handwerker

Steuertipp für Bewohner im Wohnstift

Gedeckter Tisch im Gruppenraum

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 05.03.2013

Gute Nachrichten für Senioren, die betreut in einem Wohnstift wohnen: Sie können die Aufwendungen für die Zubereitung und das Servieren des Essens steuerlich geltend machen. Der Steuerabzug hängt allerdings davon ab, wo die Speisen serviert werden. Das Finanzgericht Baden-Württemberg ist hier sehr spitzfindig.

Das Zubereiten und Servieren von Speisen kann eine haushaltsnahe Dienstleistung sein, die steuerlich begünstigt ist. Entscheidend ist, dass die Leistung im eigenen Haushalt erbracht wird. Gehört der Speisesaal eines Wohnstifts zum eigenen Haushalt der Bewohner? Es kommt darauf an. Das Finanzgericht Baden-Württemberg fällte in zwei nahezu identischen Fällen zwei höchst unterschiedliche Urteile. 

In beiden Fällen bekamen die Bewohner eines Wohnstifts ihr Mittagessen im Speisesaal des Wohnstifts serviert. In beiden Fällen durften die Senioren die Küche nicht betreten. Der Unterschied war der Zugang zum Speisesaal: Im ersten Fall durfte der Speisesaal nur zu den Essenszeiten betreten werden (11.30 Uhr bis 14 Uhr). Im zweiten Fall war der Speisesaal täglich von 7.30 Uhr bis 15 Uhr frei zugänglich.

Dieser Unterschied führte beim Finanzgericht zu der Erkenntnis, dass ein frei zugänglicher Speisesaal zum Haushalt der Bewohner gehört, selbst wenn der Zugang durch Öffnungszeiten begrenzt ist. Folge: Die Aufwendungen können steuerlich geltend gemacht werden. Kann der Speisesaal aber nur zu den Essenszeiten betreten werden, ist dieser Raum dem Wohnstift zuzurechnen. Der Steuerabzug ist dann zu verneinen.

Interessant sind die Ausführungen des Finanzgerichts zu der Frage, ob die Aufwendungen für die Zubereitung des Essens abgezogen werden dürfen. Denn schließlich durften die Bewohner die Küche in beiden Fällen nicht betreten. Das Finanzgericht stellte fest, dass die Küche in dem Fall mit dem "frei zugänglichem Speisesaal" nur aus hygienischen Gründen nicht betreten werden durfte. Es verhält sich hier wie bei einem Heizungsraum eines Mehrfamilienhauses, der nur von bestimmten Personen betreten werden darf, aber zum Haushalt der Bewohner gehört.

Für die Bewohner eine Wohnstifts bedeutet das: Wenn die Küche frei zugänglich ist, der Zugang aber aus hygienischen Gründen verweigert wird, gehört die Küche zum Haushalt der Bewohner. Ist der Zugang bereits theoretisch nicht möglich, gehört die Küche nicht zum Haushalt. Da stellt sich die Frage: Könnte mit ähnlicher Begründung nicht auch der begrenzt zugängliche Speisesaal zum Haushalt der Bewohner gehören? Denn der Speisesaal wurde möglicherweise auch nur aus praktischen, hygienischen oder sicherheitsbedingten Gründen nur zu den Essenszeiten geöffnet. Diese Frage lässt das Finanzgericht leider offen.

Tipp: Als Bewohner eines Wohnstifts sollten Sie die Aufwendungen für die Zubereitung und das Servieren der Speisen auf jeden Fall als haushaltsnahe Dienstleistung in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Begründen Sie, dass der Speisesaal zu Ihrem Haushalt gehört. Bessere Karten haben Sie, wenn der Speisesaal frei zugänglich ist und dies vertraglich fixiert ist. Sprechen Sie dazu mit den Betreibern Ihres Wohnstifts. Denn die steuerliche Auswirkung betrifft alle Bewohner und kann erheblich sein.

Sollte das Finanzamt den Abzug verweigern, legen Sie gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch ein und berufen Sie sich auf das (zweite) Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 12.09.2012 (Aktenzeichen VIII R 33/09). Das Urteil finden Sie hier.