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Samstag, 24. August 2019

Haushalt und Handwerker

Handwerkerleistung: Beziehen von Sofas in Werkstatt nicht abziehbar

Wohnung verlassen Sessel

Hier ist wohl nicht nur ein neuer Sesselbezug fällig.

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 29.09.2016

Handwerkerleistungen sind von der Steuer absetzbar. Auch das Neubeziehen des geliebten Sofas fällt unter Handwerkerleistungen. Wird das gute Stück allerdings aus dem heimischen Wohnzimmer entführt, wird es auch mit dem Steuerabzug nichts, so das Finanzgericht Rheinland-Pfalz in einem aktuellen Urteil.

Sofa neu beziehen ist grundsätzlich eine abziehbare Handwerkerleistung

Die gemütliche Sitzgruppe ist oftmals das Kernstück des Wohnbereichs. Wenn das nicht zum Haushalt gehört, was sonst? Klar, dass der Bezug auch mal erneuert und die Kosten als Handwerkerleistung bei der Steuer berücksichtigt werden dürfen. Oder?

Überzeugt davon war jedenfalls ein Ehepaar aus Rheinland-Pfalz. Die beiden ließen ihre Lieblingsstücke – zwei Sofas und einen Sessel – zum stolzen Preis von 2.594,20 Euro neu beziehen. Nur machten sie dabei einen Fehler: Die Arbeiten ließen sie nicht bei sich zu Hause durchführen, sondern in der 4 km vom Haushalt entfernten Werkstatt. Als sie 20% der Kosten als Steuerermäßigung bei der Einkommensteuer geltend machen wollten, wurde ihnen dieses Vorgehen zum Verhängnis.

Finanzamt und Finanzgericht (Urteil des FG Rheinland-Pfalz, 6.7.2016, Az. 1 K 1252/16) waren sich einig: Sie versagten den Steuerabzug als Handwerkerleistung. Begründung: Es fehle am Erbringen der Handwerkerleistung im Haushalt des Steuerpflichtigen.

Kein räumlich-funktionaler Zusammenhang

Zwar gestanden die Richter dem Ehepaar zu, dass der Haushalt nicht ausnahmslos durch die Grundstücksgrenzen abgesteckt werde. Somit seien z.B. Aufwendungen für einen Hausanschluss, die jenseits der Grundstücksgrenze auf öffentlichem Grund erbracht werden, sehr wohl abziehbar. Nur leider brachte das den beiden herzlich wenig: Der räumlich-funktionale Zusammenhang fehle bei Durchführung in der 4 km entfernten Werkstatt offensichtlich – eine „Nähe zum Haushalt“ dürften wohl selbst die beiden nicht mehr gesehen haben.

Da half es ihnen auch nichts mehr, dass die Handwerkerfirma selbst die Möbel abgeholt und wieder zurückgebracht hatte. Nicht einmal die Fahrtkosten waren gesondert in Rechnung gestellt worden, sodass man lediglich von einer untergeordneten Nebenleistung sprechen könne. Auch der Vergleich mit den abziehbaren Kosten für die Austauscharbeiten eines Schreiners, der eine renovierungsbedürftige Tür austausche, brachte das Paar nicht weiter: Der Unterschied sei die Montage der Tür im Haushalt. Montiert werde bei Polstermöbeln nichts.

Gassigehen oder Katzenpension – auch hier gibt es Unterschiede  

Den Unterschied verdeutlichten die Richter an einem ebenso kuscheligen „Objekt“: Werde ein Hund oder eine Katze in einer Tierpension betreut, seien die Kosten nicht abziehbar. Wenn der Hunde- bzw. Katzensitter dagegen in der Wohnung oder deren Nähe zum Gassi gehen beauftragt werde, läge eine abziehbare haushaltsnahe Dienstleistung vor.

Zuletzt brachten die Richter das Totschlagargument: Der Gesetzgeber wollte mit der Begünstigung Schwarzarbeit bei Dienstleistungen in Privathaushalten bekämpfen. Das erledigt sich dann natürlich, wenn die Arbeiten in einer Werkstatt erfolgen. Hätte das Ehepaar das gewusst!

Tipp: Achten Sie beim Abzug von Handwerkerleistungen nicht nur darauf, dass der räumliche Zusammenhang gegeben ist. Zahlen Sie auch unbedingt unbar und lassen Sie sich eine Rechnung ausstellen – so können Sie sich nicht nur auf dem Sofa, sondern auch auf einem saftigen Steuerabzug in Höhe von 20% des Arbeitslohns (bis zu 1.200 Euro) ausruhen.