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Freitag, 23. August 2019

Haushalt und Handwerker

Eigentümer und Mieter aufgepasst: Steuerbonus für Handwerkerleistungen jährlich neu mitnehmen

Handwerker Anschluss Waschbecken

Handwerkerleistungen sind abziehbar.

Artikel erstellt von:  Wilfried Hesse
Datum: 30.03.2017

Ist Ihr Haus oder Ihre Wohnung in die Jahre gekommen? Braucht es einen neuen Anstrich, wollen Sie Ihre Badezimmer modernisieren oder die Gas- und Wasserleitungen austauschen? Egal, was anliegt - wenn Sie alles durchkalkulieren, denken Sie an den Steuerbonus. Den schenkt Ihnen das Finanzamt für die Beauftragung eines Handwerkers. Wir erklären Ihnen Punkt für Punkt, worauf Sie dabei achten müssen.

Nichts ist geschenkt in diesem Leben, werden Sie vielleicht erst einmal denken. Aber in diesem speziellen Fall ist es tatsächlich so. Vorausgesetzt, Sie haben Steuer bezahlt, können Sie Handwerkerrechnungen unmittelbar steuermindernd absetzen. Das ist eine tolle Nachricht für all diejenigen Immobilienbesitzer, die kurz vor dem Frühjahr eine Rundumrenovierung ihres Zuhauses planen oder in den nächsten Monaten ihr neu gebautes Haus beziehen. Begünstigt sind alle Erhaltungs-, Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen eines Handwerkers, die er im Privathaushalt des Kunden erbringt. Den Steuerbonus von 20 Prozent gibt es auf die Arbeitsleistung, die Anfahrts- oder Maschinenkosten des Handwerkers einschließlich der dabei anfallenden Umsatzsteuer. Material- und Wareneinsatz sind also nicht steuerbegünstigt.

So rechnet sich die Hausrenovierung

Das macht aber nichts. Denn oft sind es vor allem die Personalkosten, die den größten Teil der Rechnung ausmachen. Angenommen, Sie wollen Ihr Badezimmer modernisieren. Dann könnte die Rechnung wie folgt aussehen:

Entfernen der alten Kacheln, Dusche, Badewanne und WC

Arbeitsstunden Meister               

30 á 60 Euro

1.800 Euro

Arbeitsstunden Gehilfe 

30 á 30 Euro      

900 Euro

                                       

Neue Fliesen verlegen, Installation Armaturen

Arbeitsstunden Meister               

60 á 60 Euro

3.600 Euro

Arbeitsstunden Gehilfe 

60 á 30 Euro      

1.800 Euro

 

Materialeinsatz              

Neue Armaturen

1.500 Euro

Fliesen

2.000 Euro

Badewanne, Dusche, WC

2.500 Euro         

 

Maschineneinsatz

90 Stunden á 20 Euro    

1.800 Euro

 

Fahrtkosten

7 Tage á 30 Euro

210 Euro

 

Gesamt

Netto   

16.110 Euro

19 % MwSt.       

3.060,90 Euro

Brutto  

19.170,90 Euro

Da der Materialeinsatz beim Handwerkerbonus außen vor bleibt, müssen die 6.000 Euro zzgl. der auf sie entfallenden MwSt. in Höhe von 1.140 Euro, also insgesamt 7.140 Euro für die Steuerrechnung abgezogen werden. Es verbleibt ein Betrag von 12.030,90 Euro. Davon können 20 Prozent steuermindernd abgezogen werden, maximal jedoch 1.200 Euro pro Jahr. Sie haben es bemerkt: Im Beispielsfall ist es sogar das Doppelte dessen, was maximal abzugsfähig ist, nämlich 2.406 Euro.

Handwerkerleistungen geschickt auf zwei Jahre verteilen

Dann machen Sie es doch so: In diesem Jahr soll der Handwerker nur die Fliesen neu verlegen. Und im nächsten Jahr den Rest. Sie zahlen dann die Rechnung in zwei Raten – eine in diesem und eine im nächsten Jahr. Das geht.

Handwerkerleistungen müssen im Haushalt erbracht werden

Um den Steuerbonus nicht zu gefährden, müssen Sie darauf achten, dass der Handerker seine Dienste in Ihrem Haushalt erbringt. Unerheblich ist, ob Sie dort als Mieter oder Eigentümer leben. Begünstigt sind auch Handwerkerleistungen in einer von Ihnen tatsächlich eigengenutzten Zweit-, Wochenend- oder Ferienwohnung. Angenommen, Sie lassen in der Ferienwohnung umfangreiche Holzarbeiten durchführen, die der Tischler hauptsächlich in seiner Werkstatt erbringt, ist das nicht steuerbegünstigt, weil die Arbeiten eben nicht in Ihrem Haushalt erfolgen.

Schriftliches Angebot mit Steuerbonus anfordern

Am besten ist es deshalb, wenn Sie dem Handwerker schon vor der Beauftragung mitteilen, dass Sie zum Beispiel Modernisierungsmaßnahmen planen und dabei den Handwerkerbonus mitnehmen möchten. Der clevere Handwerker wird Ihnen dann ein schriftliches Angebot mit einer Kalkulation unterbreiten, in welcher der Steuerbonus bereits ausgewiesen ist.

Schätzen verboten

Das erspart Ihnen natürlich nicht, sich später die Rechnung genau anzuschauen, bevor Sie den Betrag an den Handwerker überweisen. Weil der Steuerbonus für die Lohnkosten anfällt, müssen in jeder Handwerkerrechnung Personal- und Materialkosten gesondert ausgewiesen werden.  Es reicht, wenn der Handwerksbetrieb in der Rechnung das prozentuale Verhältnis von Personal- und Materialkosten zum ausgewiesenen Rechnungsbetrag angibt. Fehlt es auch hieran, haben Sie ein Problem. Denn das Bundesfinanzministerium hat erst Ende des letzten Jahres in einem Schreiben mitgeteilt (BMF-Schreiben v. 9.11.2016, IV C 8 – S 2296-b/07/10003 :008, BStBl 2016 I S. 1213, Rz. 40), dass bei fehlendem Personalkostenausweis in der Rechnung Schätzen verboten ist.     

Einspruch, Euer Ehren

Das ist deshalb bemerkenswert, weil zuvor der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil v. 20.3.2014, VI R 56/12) Steuerzahlern erlaubt hatte, den Personal- und Materialkostenanteil schätzen zu dürfen. Derzeit liegt noch ein weiteres Verfahren beim Bundesfinanzhof (Az.: VI R 18/16). Wessen geschätzter Steuerbonus vom Finanzamt abgelehnt wird, der kann unter Hinweis auf das Aktenzeichen des Bundesfinanzhofs Einspruch gegen seinen Steuerbescheid einlegen. Und zusätzlich beantragen, dass das Verfahren so lange ruht, bis der Bundesfinanzhof entschieden hat. Letztlich könnte der Bundesfinanzminister allerdings für den Fall, dass die Richter zugunsten der Steuerzahler entscheiden, einen so genannten Nichtanwendungserlass verkünden. Heißt im Klartext: Die Finanzämter müssten sich an das Urteil nicht halten. Aber so weit ist es noch nicht.

Viel besser: Handwerker stellt neue Rechnung aus

Klar ist aber auch: Statt sich mit dem Finanzamt Jahre lang zu streiten, führt ein viel einfacherer Weg direkt ans Ziel. Nehmen Sie Kontakt mit dem Handwerker auf und bitten Sie ihn darum, Ihnen eine neue Rechnung auszustellen. Darin muss schwarz auf weiß drinstehen, wieviel Material- und Personalkosten im Rechnungsbetrag drinstecken. Solange er das nicht getan hat, sind Sie sogar berechtigt, die Überweisung des Rechnungsbetrags zu verweigern. Der Handwerker ist nämlich als Ihr Vertragspartner dazu verpflichtet, Schäden von Ihnen abzuwenden. Dazu gehört auch der Steuerschaden, der Ihnen entstünde, wenn das Finanzamt den Handwerkerbonus aufgrund einer schlampigen Rechnung streicht.

Barzahler sind selbst schuld

Neben der fehlerhaften Rechnung ist die Barzahlung an den Handwerker ein K.O.-Kriterium des Finanzamts für den Steuerbonus. Damit will der Gesetzgeber wohl Tricksereien mit Scheingeschäften   vorbeugen. Sie müssen also den Rechnungsbetrag auf das in der Rechnung ausgewiesene Handwerker-Konto überweisen. Das kann auch eine andere Person von einem fremden Konto für Sie erledigen. Das Finanzamt erkennt Zahlungen von Drittkonten an.

Dumm laufen kann´s trotzdem

Auch wenn Sie bisher alles richtiggemacht haben – den Handwerkerbonus erhalten Sie nicht, wenn sie öffentliche Fördergelder in Anspruch nehmen. Dann sollen Sie nach den Vorstellungen des Bundesfinanzministers nicht noch obendrein den Handwerkerbonus mitnehmen dürfen. Haben Sie beispielsweise für die Wärmedämmung ein zinsgünstiges Kfw-Darlehen erhalten, können Sie den Steuerbonus vergessen. Dasselbe gilt, wenn Sie die Handwerkerkosten schon an anderer Stelle in Ihrer Steuererklärung untergebracht haben – etwa als Betriebsausgaben oder bei den Werbungskosten. Das ist eigentlich eh logisch.