Samstag, 24. August 2019

Ehe und Unterhalt

Machen Sie Scheidungskosten steuerlich geltend

Zerbrochener Teller

Gehen die Ehepartner im Streit auseinder, muss oftmals nicht nur das Geschirr, sondern auch der Geldbeutel leiden.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 11.04.2013

Eine Scheidung ist ein außergewöhnliches und zudem oftmals auch kostspieliges Ereignis. Die anfallenden Gerichts- und Anwaltskosten können Sie aber steuerlich geltend machen. Das Finanzgericht Düsseldorf lässt sogar die Kosten hinsichtlich der Vermögensauseinandersetzungen und den Ansprüchen auf Unterhalt zum Abzug zu.

Trostpflaster für frisch Geschiedene: Die Kosten für Gericht und Anwalt können Sie steuerlich geltend machen. Laut Finanzgericht Düsseldorf (Urteil vom 19. Februar 2013, Aktenzeichen 10 K 2392/12 E) können Sie sogar die Kosten in vollem Umfang geltend machen. Grundlage hierfür ist ein Urteil des Bundesfinanzhofs, das den Abzug von Zivilprozesskosten in bestimmten Fällen zugelassen hat (BFH-Urteil vom 12. Mai 2011, Aktenzeichen VI R 42/10).

Die neuen Entscheidungen widersprechen allerdings der Meinung der Finanzverwaltung. Mit Schreiben vom 20. Dezember 2011 hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) die Finanzämter angewiesen, das oben genannte BFH-Urteil nicht anzuwenden. Für Sie bedeutet das, dass der Abzug von Scheidungskosten möglicherweise nicht anerkannt wird. Doch dagegen können Sie sich wehren.

So gehen Sie in Ihrer Steuererklärung vor

Erfassen Sie alle Gerichts- und Anwaltskosten im Mantelbogen im Bereich "Andere außergewöhnliche Belastungen". Sie finden den Bereich in der Einkommensteuererklärung 2012 auf Seite 3 ab Zeile 68. Sie können die Kosten in einer eigenen Anlage auflisten und nur den Gesamtbetrag nebst Verweis auf diese Anlage in Ihrer Steuererklärung angeben.

Geben Sie auf jeden Fall alle Kosten an, die mit der Ehescheidung verbunden sind, also auch die Aufwendungen in Verbindung mit dem Versorgungsausgleich, dem Zugewinn und den Ansprüchen auf Unterhalt. Denn diese Kosten sind für die Geschiedenen zwangsläufig.

Wenn das Finanzamt die Kosten nicht anerkennt

Wenn das Finanzamt die Kosten streicht, legen Sie innerhalb eines Monats schriftlich Einspruch ein und berufen Sie sich auf die oben genannten Verfahren vor dem Bundesfinanzhof bzw. dem Finanzgericht Düsseldorf. Begründen Sie, warum die Aufwendungen zwangsläufig waren und dass die Verfahren Aussicht auf Erfolg hatten und nicht mutwillig geführt wurden.

Tipp: Senden Sie den Einspruch per Fax. Dann haben Sie einen kostengünstigen Nachweis für den rechtzeitigen Eingang des Einspruchs beim Finanzamt.

Teilt das Finanzamt Ihre Rechtsauffassung nicht, können Sie sich wie folgt wehren:

1.

Sollte das oben genannte Finanzgerichtsurteil vor dem Bundesfinanzhof weiter verhandelt werden, können Sie das Ruhen des Verfahrens beantragen. Ihre Steuererklärung ruht dann in diesem Punkt bis zur abschließenden Klärung der Rechtslage. Der Vorteil: Ihnen entstehen keine Kosten.

2.

Wenn das Finanzamt Ihren Fall negativ entscheidet, können Sie gegen die Einspruchsentscheidung Klage einreichen und das Finanzgericht anrufen. Das Klageverfahren verursacht allerdings Kosten.