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Samstag, 6. Juni 2020

Umsatzsteuer

Umsatzsteuer für Online-Händler ab 2015 neu geregelt

Junger Mann mit Tablet

Es gilt der Umsatzsteuersatz des Staates, in dem bestellt wird.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 28.10.2014

E-Books und MP3 gehören heute genauso zum alltäglichen Leben wie vor 40 Jahren gedrucktes Buch und Plattenspieler. Nur der Kauf per Klick ist einfacher. Ab 2015 soll es scheinbar bei grenzüberschreitenden Downloads mit den Preisen komplizierter werden - dank dem neuen Umsatzsteuerrecht.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es günstiger ist, wenn man bei Amazon ein E-Book kauft als bei vielen anderen Online-Händlern? Das hat nicht etwa damit zu tun, dass für Amazon die Preisbindung nicht gelten würde. Vielmehr berechnet Amazon einen niedrigeren Umsatzsteuersatz. Dürfen die das? Ja - aber nur noch bis zum 31.12.2014.

Was ist neu?

Ab dem nächsten Jahr (1.1.2015) gilt für Käufe von elektronischen Dienstleistungen wie E-Books, Apps, Downloadfilmen und SaaS-Software: Online-Händler aus der EU müssen 19 % Umsatzsteuer abführen, egal ob sie in Deutschland, Spanien oder Luxemburg sitzen. Damit kann Amazon seine E-Books auch nicht mehr mit nur 3 % Mehrwertsteuer an deutsche Kunden verkaufen - dies ist der Steuersatz, der in Luxemburg für E-Books gilt - sondern muss den Satz um 16 % erhöhen. Das landet letztlich bei den Endkunden, die mit der Preiserhöhung leben müssen.

Das hat aber auch gravierende Folgen für die Gestaltung der Online-Shops: Denn künftig müssen plötzlich unterschiedliche Preise angezeigt werden - abhängig davon, in welchem Staat der EU der Kunde vor dem PC sitzt. Zu Recht fragen Sie sich jetzt wahrscheinlich, wie das technisch möglich sein soll. Die Überlegungen gehen von der automatischen IP-Adressen-Erkennung über die Sprachauswahl bis hin zur Länderauswahl durch Klick auf ein Flaggensymbol auf der Startseite. Wirklich ausgereift sind die Ideen aber nicht und auch den überraschten Online-Händlern stehen noch große Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.

Das "Mini-One-Stop-Shop-Verfahren" soll Probleme beseitigen

Die Technik allein ist aber wie so oft nicht das einzige Problem, das sich hier stellt. Noch viel größere Fragen wirft das Thema steuerliche Behandlung auf: Schließlich muss ab sofort der Online-Händler nicht nur in dem Land, in dem er niedergelassen ist, Mehrwertsteuer abführen - und sich damit auch überall steuerlich erfassen lassen. Er muss plötzlich in jedem einzelnen EU-Staat die Steuer abführen, aus dem er private Kunden hat. Das klingt kompliziert und wirft sicher für den einen oder anderen Anbieter die Frage auf, ob er nicht doch lieber nur in ausgewählten Staaten die Dienstleistungen anbieten will. Und dafür Umsatz einbüßen muss. Da fragt sich nur: Wäre es nicht ein Rückschritt, wenn man von den ungeahnten Möglichkeiten des Internets, ohne großen Aufwand Kunden auf der ganzen Welt zu erreichen, plötzlich wieder in die Strukturen der Offline-Welt á la Bestellkatalog zurückfällt?

Damit solche Überlegungen nicht Realität werden, soll mit dem sog. Mini-One-Stop-Shop-Verfahren Abhilfe geschaffen werden. Die Idee: Jeder Online-Händler soll zur "kleinen einzigen Anlaufstelle" - für deutsche Händler beim Bundeszentralamt für Steuern - gehen und dort die Umsatzsteuererklärung für alle Länder gesammelt abgeben können. Sprich: Die Steuer kann für alle Länder bei einer einzigen Stelle auf einmal gezahlt werden. Wer teilnehmen möchte, kann sich seit dem 1.10.2014 beim Bundeszentralamt für Steuern anmelden. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie in einem Offiziellen Leitfaden auf den Seiten der Europäischen Kommission.

Das ist der Hintergrund

Warum aber gibt es die neue Regelung? Genau aus dem angesprochenen Grund: Unternehmen wie Amazon siedeln sich ganz bewusst in Ländern an, in denen der Mehrwertsteuersatz niedrig ist - um eben nur eine niedrige Steuer zahlen zu müssen. Laut dem für Steuern zuständigen EU-Kommissionsmitglied Algirdas Šemata will die Europäische Union dem entgegenwirken und eine gerechte Besteuerung erreichen. Unternehmern soll ihre Tätigkeit erleichtert werden und insbesondere Gründern soll der Anreiz geboten werden, über Grenzen hinweg zu expandieren. 

Bis zum 31.12.2014 gilt nämlich noch: Besteuert wird nach dem Steuersatz in dem Staat, in dem die Dienstleistung angeboten wird - unerheblich ist der Sitz des Kunden. Übrigens: Dies betrifft nur Geschäfte zwischen Unternehmern und Verbrauchern (B2C). Ist der Kunde dagegen auch Unternehmer (B2B), galt und gilt auch weiterhin das sog. Reverse-Charge-Verfahren: Die Steuer wird durch den Kunden - am Ort seines Sitzes - entrichtet.

Fazit: Die neue Regelung soll zur Steuergerechtigkeit beitragen. Im Ergebnis wird es erst einmal aufwändig, wenn man bedenkt, dass nicht nur in technischer Hinsicht dem Onlinehändler einiges abverlangt wird.