Mittwoch, 16. Oktober 2019

Umsatzsteuer

Neue Pauschalbeträge für Sachentnahmen ab 2014

Businessfrau am Buffet

Hungrig lässt es sich schwer arbeiten.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 15.01.2014

Auch ein Gastronom muss essen. Natürlich wird er dies regelmäßig in seinem eigenen Restaurant tun. Aber: Er muss dafür Steuern zahlen. Wer jetzt mit einer Bürokratieflut rechnet, weil jede selbst verspeiste Kartoffel einzeln aufgezählt werden muss, den können wir beruhigen. Es gibt für diesen Fall Pauschalbeträge. Diese ändern sich ab 2014, so dass es für den Gastronomen teurer wird.

Entnimmt der Unternehmer Waren aus seinem Unternehmen für sich oder seine Familie, müssen diese Entnahmen steuerlich berücksichtigt werden. Denn ursprünglich hat der Erwerb der Waren für Betriebsausgaben gesorgt und die Steuern gemindert. Gerade die Bewertung solcher Sachentnahmen kann häufig einen hohen zeitlichen Aufwand mit sich bringen. Wie ist es bei einem Gastronom, der in seinem eigenen Restaurant speist? Muss jede Kartoffel, jede Cola akribisch aufgezeichnet werden?

Nein, denn der Unternehmer kann Pauschalbeträge für Sachentnahmen ansetzen. Diese werden jährlich durch das Bundesfinanzministerium für die einzelnen Branchen neu festgesetzt. Das Finanzamt unterstellt dabei den Unternehmern der Gastronomie, Bäckereien, Fleischereien und Einzelhändlern für Lebensmittel, dass sie aus ihren Unternehmen Ware für den privaten Gebrauch entnehmen. Liegen keine nachvollziehbaren Einzelaufzeichnungen vor, sind die Pauschalwerte anzusetzen, außer der Unternehmer kann gut begründen, warum er keine Ware entnommen hat.

Gewerbezweig

ermäßigter
Steuersatz

voller
Steuersatz

insgesamt

Bäckerei

1.176 €

397 €

1.573 €

Fleischerei

912 €

820 €

1.732 €

Gaststätten aller Art

a) mit Abgabe von kalten Speisen

1.150 €

965 €

2.115 €

b) mit Abgabe von kalten und warmen Speisen

1.586 €

1.731 €

3.317 €

Getränkeeinzelhandel

93 €

291 €

384 €

Café und Konditorei

1.137 €

635 €

1.772 €

Milch, Milcherzeugnisse, Fettwaren und Eier (Eh.)

635 €

67 €

702 €

Nahrungs- und Genussmittel (Eh.)

1.295 €

740 €

2.035 €

Obst, Gemüse, Südfrüchte und Kartoffeln (Eh.)

291 €

212 €

503 €

BMF-Schreiben vom 16.12.2013

Anwendung der Pauschalbeträge

Die Pauschalbeträge müssen immer für den ermäßigten und vollen Steuersatz zusammen angesetzt werden, auch wenn das Unternehmen nur Waren des einen Steuersatzes anbietet oder erworben hat. Entnimmt der Unternehmer auch für seine Familienangehörigen Waren, müssen zusätzliche Pauschalsätze angewendet werden. Für Kinder zwischen 2 und 12 Jahren ist der halbe Wert anzusetzen. Für Kinder unter 2 Jahren müssen keine Pauschalwerte angesetzt werden.

Beispiel

Ein Gastronom und seine Familie essen auch in der eigenen Gaststätte. Die beiden Kinder des Ehepaares sind 1 und 9 Jahre alt. In der Gaststätte gibt es sowohl kalte als auch warme Speisen.

Ansatz der pauschalen Sachbezugswerte:

ermäßigter Steuersatz

voller Steuersatz

insgesamt

für 2 Personen über 12 Jahre

1.586 €

1.731 €

1.586 €

1.731 €

für das neunjährige Kind

793 €

865,50 €

für das einjährige Kind

0 €

0 €

= Summe (Gewinnerhöhung)

3.965 €

4.327,50 €

8.292,50 €

= Umsatzsteuerbelastung

277,50 €

822,23 €

1.099,78 €

Durch die Anwendung der pauschalen Sachbezugswerte muss der Gastronom 1.099,78€ Umsatzsteuer für 2014 abführen. Er durfte aber beim Einkauf der Waren den Vorsteuerabzug vornehmen. Durch den erhöhten Gewinn von 8.292,50 € steigt auch seine persönliche Einkommensteuerbelastung.

Wenn pauschal, dann vollständig

Die Pauschalbeträge dürfen nicht gekürzt werden, auch wenn der Unternehmer erheblich weniger entnimmt oder für eine gewisse Zeit überhaupt keine Waren entnommen hat. Selbst wenn der Unternehmer für längere Zeit z.B. durch Krankheit oder Urlaub nicht im Unternehmen ist und Waren gar nicht entnehmen kann, dürfen die Werte nicht gekürzt werden. Betreibt ein Unternehmer ein gemischtes Gewerbe (z.B. Bäckerei mit Gastwirtschaft), ist der jeweils höhere Wert anzusetzen.

Achtung: Die Pauschalwerte enthalten keine Entnahmen von Tabakwaren. Ebenfalls sind die Pauschalbeträge nicht für die Mitarbeiter anzusetzen. Entnehmen auch Mitarbeiter Waren oder erhalten Sachbezüge, müssen diese im Rahmen des Lohnbezuges abgerechnet werden.