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Donnerstag, 6. August 2020

Umsatzsteuer

Das Wichtigste zur Kleinunternehmerregelung

Kleinunternehmer-Regelung

Im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung müssen Sie Angaben zur Kleinunternehmerregelung machen.

Artikel erstellt von:  Thomas Kunst
Datum: 24.09.2014

Bleibt der Unternehmer unter einer bestimmten Umsatzgrenze, ist er Kleinunternehmer und muss keine Umsatzsteuer zahlen. Wer möchte, kann aber freiwillig auf dieses Privileg verzichten und sich wie ein "normaler" Unternehmer behandeln lassen. Diese Entscheidung ist besonders für Gründer wichtig - ihnen möchten wir mit unserem Artikel eine Entscheidungshilfe geben.

Für den Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung gilt:

  • Er ist immer erst zum nächsten Kalenderjahr möglich.
  • Er sollte durch formloses Schreiben an das Finanzamt erklärt werden.
  • Der Unternehmer ist für fünf Jahre an die Entscheidung gebunden.
Das sind die Vorteile des Verzichts auf die Kleinunternehmerregelung

Warum aber sollte sich der Unternehmer die Pflicht freiwillig ans Bein binden, Umsatzsteuer zu zahlen? Die Vorteile der Option zur Umsatzsteuer:

  • Man kann die Vorsteuer abziehen. Sprich: Die Umsatzsteuer, die er bei Vorunternehmern gezahlt hat, kann er sich beim Finanzamt zurückholen.
  • Man muss seinen Kunden gegenüber nicht offenbaren, dass man nur geringe Umsätze erzielt. Der Kunde erkennt den Status als Kleinunternehmer nämlich leicht aus der Rechnung.

Demgegenüber hat es natürlich auch Vorteile, wenn der Unternehmer sich für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung entscheidet:

  • Er muss keine Umsatzsteuer zahlen.  
  • Der Kleinunternehmer hat wesentlich geringeren bürokratischen Aufwand. Denn er muss beispielsweise keine Umsatzsteuervoranmeldungen versenden.
  • Auch die Anforderungen an die Rechnungstellung sind geringer. Der Kleinunternehmer darf weder der Steuersatz offen ausweisen noch die Steuer selbst beziffern. Achtung: Wenn der Kleinunternehmer das trotzdem macht, muss er die Steuer auch zahlen.

Tipp: Wenn Sie Ihrem Kunden die Umsatzsteuer in Rechnung stellen können, ohne dass dieser dadurch einen Nachteil erleidet, optieren Sie zur Umsatzsteuer. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn Sie ausschließlich Unternehmer als Kunden haben.

Beispiel: Zwischenhändler B kauft im Jahr 2014 Fahrräder vom Händler A im Wert von 11.900 € inkl. 1.900 € Umsatzsteuer ein und verkauft diese für 15.000 € exkl. Umsatzsteuer an den Fahrradladen C weiter. Es ergibt sich jeweils folgender Gewinn:

 

B ist Kleinunternehmer

B optiert zur Umsatzsteuer

Einnahmen

15.000 €

(kein USt-Ausweis)

15.000 €

+

2.850 € (USt-Ausweis)

= 17.850 €

Ausgaben

11.900 €

10.000 € (netto)

+

1.900 € (Vorsteuer)

+

(2.850 € - 1.900 € =)

950 €

(abzuführende USt)

= 12.850 €

Gewinn

3.100 €

5.000 €

Für Zwischenhändler B ergibt sich bei Option zur Umsatzsteuer ein Mehrgewinn von 1.900 €.

Kleine Umsätze = Kleinunternehmer. Aber wann?

Um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen zu können, dürfen die Umsätze im vorangegangenen Jahr maximal 17.500 € betragen und im laufenden Jahr bei maximal 50.000 € liegen. Dabei gilt: In den Umsatz werden Ausgaben für die private Verwendung von Unternehmensgegenständen sowie solche Umsätze, die aus der Veräußerung von Anlagevermögen gewonnen werden, nicht einberechnet.

Bei Existenzgründern darf der Gesamtumsatz im Gründungsjahr maximal 17.500 € betragen, um die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen zu können. Achtung Falle: Der Umsatz muss auf das ganze Jahr hochgerechnet werden.

Beispiel: Gründer U gründet sein Unternehmen im Oktober 2014. Bis zum 31.12.2014 erzielt er einen Umsatz von 5.000 €. Diesen Betrag muss er aber auf das ganze Jahr, also auch für die Monate Januar bis September hochrechnen. Es ergibt sich ein Gesamtumsatz von 5.000 / 3 * 12 = 20.000 €. Herr U kann damit von der Kleinunternehmerregelung keinen Gebrauch machen.

Tipp: Wenn Sie im Gründungsjahr hohe Ausgaben haben, z.B. weil Sie mehrere Maschinen von hohem Wert anschaffen, ist die Kleinunternehmerregelung oftmals nachteilig.

Beispiel: Gründer B schafft für seinen Betrieb Maschinen im Wert von 15.000 € zzgl. 2.850 € Umsatzsteuer an. Optiert er zur Umsatzsteuer, bekommt er die 2.850 € sofort erstattet. Bleibt er Kleinunternehmer, bekommt er die Vorsteuer nicht zurück.