#
Freitag, 3. Juli 2020

Sonstige betriebliche Themen

Bürokratieentlastungsgesetz geplant: Tatsächliche Entlastung oder Mogelpackung?

Aktenstapel

Zu viel Bürokratie schadet den Unternehmen.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 26.08.2016

„Bürokratieentlastungsgesetz“ - ein Wort, das vielversprechend klingt. Tatsächlich werden fast jährlich solche Gesetze verabschiedet. Hier lesen Sie, ob das neue Bürokratieentlastungsgesetz Sie tatsächlich entlastet.

Das letzte Bürokratieentlastungsgesetz ist 2015 beschlossen worden. Im Juli 2015 ist dieses Gesetz in Kraft getreten. Nun soll ein zweites folgen.

Hauptsächlich sollen kleine Unternehmen entlastet werden. Der Gesetzgeber hat besonders Unternehmen im Blick, die nicht mehr als 2 bis 3 Mitarbeiter beschäftigen.

Lohnsteuer-Anmeldung erst ab 5.000 Euro

Die Lohnsteuer-Anmeldung ist normalerweise monatlich vorzunehmen. Unternehmen, die zwischen 1.000 und 4.000 Euro im Jahr angemeldet haben, geben die Anmeldung im Folgejahr nur noch quartalsweise ab. Diese Grenze soll jetzt auf 5.000 Euro erhöht werden.

Von dieser Erhöhung profitieren tatsächlich nur sehr kleine Unternehmen. Schon ein Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von monatlich 2.000 Euro zahlt etwa 2.300 Euro Lohnsteuern im Jahr. Beschäftigen Sie in Ihrem Unternehmen also 2 Mitarbeiter, könnte Ihnen das neue Gesetz tatsächlich etwas Arbeit ersparen.

Kleinunternehmerregelung bis 20.000 Euro

Kleinunternehmer sind Unternehmen, die regelmäßig nicht mehr als 17.500 Euro umsatzsteuerpflichtigen Umsatz im Jahr haben. Hauptsächlich sind Kleinunternehmer Unternehmen, die gerade gegründet wurden oder nebenbei betrieben werden. Diese Grenze soll nun auf 20.000 Euro angehoben werden.

Die Erhöhung der Grenze betrifft in der Regel nur Unternehmen, die gar keine Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigen.

Kleinbetragsrechnungen bis 200 Euro

Nur wenn ein Unternehmer eine ordentliche Rechnung hat, wird ihm die Vorsteuer vom Finanzamt erstattet. Unter anderem muss in der Rechnung der Leistungsempfänger angegeben sein. Bei besonders kleinen Beträgen wäre die Rechnungserstellung mit allen Pflichtangaben allerdings unverhältnismäßig. Schließlich müsste jeder Unternehmer schon beim Tanken eine solche Rechnung bekommen. Deshalb gibt es die Kleinbetragsrechnung. Ist die Rechnung nicht höher als 150 Euro brutto, reicht aus, wenn:

  • der Name des leistenden Unternehmens
  • die Bezeichnung der Leistung (Art, Menge)
  • das Entgelt und die Umsatzsteuer und
  • der Steuersatz
  • das Ausstellungsdatum

angegeben werden.

Durch das Bürokratieentlastungsgesetz soll der Betrag von 150 Euro auf 200 Euro angehoben werden.

Von dieser Erhöhung würden fast alle Unternehmen profitieren. Selbst große Unternehmen haben eine Vielzahl von Rechnungen, die kleiner als 200 Euro sind.

Aufbewahrungspflicht von Lieferscheinen

Lieferscheine müssen aufbewahrt werden. Das gilt für das Unternehmen, das den Lieferschein ausgestellt hat und für das Unternehmen, das den Lieferschein erhält.

Zukünftig soll diese Pflicht wegfallen, sobald eine Rechnung ausgestellt wurde.

Schätzung der Sozialversicherungsbeiträge

Unternehmen, die Arbeitnehmer beschäftigen, müssen der Krankenkasse die Sozialversicherungsbeiträge (SV-Beiträge) melden.

Das Problem: Die Beiträge sind bereits bis zum drittletzten Bankarbeitstag des laufenden Monats auf dem Konto der Krankenkasse einzuzahlen. Die Anmeldung der SV-Beiträge hat sogar noch zwei Tage früher zu erfolgen. Viele Unternehmen müssen deshalb die Höhe der SV-Beiträge schätzen, weil der Monat noch gar nicht beendet ist und gar nicht bekannt ist, wie viel Lohn der Mitarbeiter erhalten wird.

Die Schätzung ist ziemlich kompliziert und zeitaufwendig. Zukünftig sollen Unternehmen die Beiträge anhand der Vormonatsbeiträge ermitteln können. Sie melden also lediglich den Beitrag, der für den Vormonat angefallen ist. Die Differenz aus der vereinfachten Schätzung und den tatsächlichen angefallenen SV-Beitrag muss dann im Folgemonat verrechnet werden.

Diese „Vereinfachung“ betrifft alle Unternehmen, die Mitarbeiter ohne festes Gehalt beschäftigen.Abzuwarten bleibt, ob dieser Gesetzesentwurf vom Bundestag verabschiedet wird.