Dienstag, 15. Oktober 2019

Sonstige betriebliche Themen

Wie man mit einer Mathe-Prüfung Gewerbesteuer sparen kann

Langeweile in der Schule

Langeweile in der Schule: Das Mädchen lernt sicher nicht für die Gewerbesteuerentlastung

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 14.05.2013

Selten ist die finanzielle Auswirkung einer Mathematik-Prüfung so erheblich wie in diesem Fall: Denn besteht der Prüfling die Prüfung, gilt er steuerrechtlich als Freiberufler und spart sich so Gewerbesteuer für mehrere Jahre.

Im vorliegenden Fall war ein selbständiger Ingenieur als Logistik-Berater für verschiedene Unternehmen tätig. Im Mittelpunkt stand die Optimierung von Abläufen und die Leitung von verschiedenen Projekten. Das Problem: Der Ingenieur hatte nicht studiert, sondern sich alle notwendigen Kenntnisse selbst beigebracht. In der Folge erliess das Finanzamt Gewerbesteuermessbescheide. Die Einkünfte des Autodidakten wurden somit rückwirkend für mehrere Jahre gewerbesteuerpflichtig.

Die Unterscheidung zwischen Studierten und Nicht-Studierten im Steuerrecht ist nicht neu. Freiberufler erzielen keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb, sondern Einkünfte aus selbständiger Arbeit und diese unterliegen nicht der Gewerbesteuer. Zu den Freiberuflern gehören die Katalogberufe, wie z.B. Ärzte, Rechtsanwälte und Ingenieure, aber auch Berufe mit einem geringeren Anspruch an die Ausbildung wie z.B. Heilpraktiker. Neben den Katalogberufen können aber auch Angehörige ähnlicher Berufe Einkünfte aus selbständiger Arbeit erzielen, wenn der ähnliche Beruf in der Tätigkeit und in der Ausbildung mit einem Katalogberuf vergleichbar ist. Hierbei ist oftmals das Vorliegen eines Studiums das Zünglein an der Waage.

Dabei lief es für den Steuerpflichtigen nicht schlecht. Denn das Finanzgericht war davon überzeugt, dass der nicht studierte Ingenieur eine ähnliche Tätigkeit ausübte. Aber: Der Selbständige musste auch nachweisen können, dass er vergleichsweise ausgebildet ist. Dabei kann die Ausbildung laut Bundesfinanzhof auch im Selbststudium erfolgen. Der Ausbildungsnachweis erfolgt dann z.B. durch einen Gutachter oder durch eine Wissensprüfung.

Der Gutachter bestätigte nicht, dass der selbständige Ingenieur ohne Hochschulabschluss dieselben Kenntnisse erlangt hatte wie ein studierter Ingenieur. Demnach bestünden Wissensdefizite in den Fächern Mathematik, Datenverarbeitung und Quantitative Methoden. Hier kommt also die Mathematik-Prüfung ins Spiel: Der Autodidakt beantragte den Nachweis durch Wissensprüfung, den das Finanzgericht nicht zuliess. Erst der Bundesfinanzhof legte mit Beschluss vom 7. März 2013 (Aktenzeichen III B 134/12) fest, dass der Nachweis durch Wissensprüfung erfolgen darf. Der Fall wurde an das Finanzgericht zurückverwiesen und der Autodidakt darf die Wissensprüfung antreten. Das Finanzgericht wurde vom Bundesfinanzhof dazu angehalten, dafür Sorge zu tragen, dass der Prüfer die erforderliche Sachkunde besitzt.

Die Bestimmung der Gewerbesteuerpflicht eines Autodidakten ist im Steuerrecht sicherlich kein Standardfall. Es zeigt aber, wie komplex, undurchsichtig und auch unverständlich das Steuerrecht manchmal sein kann. Denn wenn der Selbständige zur Prüfung antritt und diese erfolgreich besteht, unterliegen seine Einkünfte nicht der Gewerbesteuer. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Tätigkeitsfeld des Selbständigen mit den Prüfungsinhalten inhaltlich übereinstimmt. Genausowenig stellt man sich die Frage, ob ein studierter Ingenieur die damals abgelegten Prüfungen nochmals bestehen würde. Es geht mal wieder nur um "das Prinzip".