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Samstag, 24. Oktober 2020

Sonstige betriebliche Themen

Wer Bierdeckel über eBay verkauft, zahlt Einkommen- und Umsatzsteuer

Bierdeckel

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 08.05.2015

Die Verwendungsmöglichkeiten für Bierdeckel sind begrenzt. Ein Erbe in Nordrhein-Westfahlen hatte keine Lust, seine Wohnung mit den 320.000 geerbten Bierdeckeln zu tapezieren und verkaufte sie stattdessen über Jahre hinweg über eBay an begeisterte Sammler. Das Finanzamt wollte allerdings auf die beträchtlichen Umsätze Einkommen- und Umsatzsteuer berechnen. Zu Recht, wie das Finanzamt Köln kürzlich entschied.

Was würden Sie machen, wenn Ihnen Ihr Vater 320.000 Bierdeckel und –etiketten hinterließe? Ein eBay‘er aus Nordrhein-Westfalen verkaufte diese kontinuierlich über Jahre hinweg und machte damit zwischen 18.000 und 66.000 Euro Umsatz im Jahr, wovon er im Wesentlichen auch lebte. Dabei kaufte er auch Bierdeckel hinzu, verkaufte selbst allerdings nur doppelte Exemplare. Er meldete aber weder ein Gewerbe an, noch gab er eine Einkommen- oder Umsatzsteuererklärung ab.

Finanzamt erließ Steuerbescheide

Das Finanzamt sah hierin ganz eindeutig eine unternehmerische und gewerbliche Tätigkeit und erließ nach umfangreicher Prüfung einen Umsatzsteuer- und einen Einkommensteuerbescheid. Den Gewinn schätzte es auf 20% der Umsätze.

Der Erbe allerdings hatte dafür kein Verständnis: Die zugekauften Artikel habe er schließlich aus privatem Interesse gekauft und nicht, um sie weiterzuverkaufen. Zudem seien doch  „en bloc“-Verkäufe von privaten Sammlungen über Auktionshäuser nach einem BFH-Urteil auch nicht der Umsatzsteuer unterworfen.

Finanzgericht Köln ebenfalls eindeutig

Das Finanzgericht Köln kannte keine Gnade und hat die Ansicht des Finanzamtes mit Urteil vom 4.3.2015 (Aktenzeichen 14 K 188/13) bestätigt. Der Vergleich mit Auktionshaus-Verkäufen nach dem BFH-Urteil scheitere daran, dass es letztendlich darauf ankomme, ob der Verkäufer sich wie ein Händler verhalte. Das richte sich z.B. nach Dauer und Intensität der Verkäufe, der Höhe der Entgelte, der Planmäßigkeit und einer Wiederverkaufsabsicht.

Der hohe administrativen Aufwand – Fotos machen, Auktionen bewachen, Versand der Ware und Zahlungsabwicklung  bei 10-40 Verkäufen pro Tag – nehme so viel Zeit in Anspruch wie eine berufliche Tätigkeit. Diese langjährige und intensive Verkaufstätigkeit betreibe er auch am Markt, denn er habe sogar Käufer in Ländern außerhalb der EU gehabt. Ganz entscheidend sei, dass er seinen wesentlichen Lebensunterhalt aus den Verkäufen bestreitet. Planmäßig sei der Ein- und Weiterverkauf, weil er allein innerhalb von 3 Monaten 2.500 Artikel erworben habe.

Auch die Schätzung von 20% der Umsätze als Gewinn sei richtig und lag laut Finanzgericht eher “im unteren Bereich des Realistischen“.

Fazit: Ein außergewöhnlicher Fall und doch ein Urteil, das sehr interessant für die vielen privaten eBay-Verkäufer sein dürfte. Dass Bierdeckel mehr mit Steuer zu tun haben können, als man auf den ersten Blick erwartet, wissen wir ja bereits aus dem Steuerkonzept des CDU-Politikers Friedrich Merz. Auch unser Bierdeckel-Verkäufer könnte sich ja mal an einer Einkommensteuererklärung auf dem Bierdeckel versuchen.