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Freitag, 7. August 2020

Sonstige betriebliche Themen

Was muss ich beim Ausfüllen des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung beachten?

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Ein umfassendes Dokument voller spannender steuerlicher Fragen

Artikel erstellt von:  Manuela Pompino
Datum: 12.09.2014

Als Gründer eines Unternehmens steht man vor einer Reihe komplizierter Fragen und sieht oftmals den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die erste wichtige Hürde ist die Anmeldung beim Finanzamt – und zwar anhand des Fragebogens zur steuerlichen Erfassung, der Ihnen gleich am Anfang vom Finanzamt zugesandt wird. Um bei den ersten steuerlichen Fragen den Überblick zu behalten, geben wir Ihnen eine Hilfe an die Hand.

1. Anspruchsvoller Einstieg

Der Fragebogen beginnt mit der anspruchsvollen Frage, ob es sich um eine gewerbliche, selbständige (freiberufliche) oder land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit oder aber um die Beteiligung an einer Personengesellschaft handelt. Wenn Sie sich hier nicht sicher sind, lesen Sie unseren Artikel "Freiberufler oder Gewerbetreibender - Der feine Unterschied".

Es folgt eine einfache Datenabfrage bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Unternehmers, die keine besonderen Kenntnisse voraussetzt: Dazu gehören u.a. die Angaben von Namen, Anschrift, Identifikationsnummer (=die Nummer, die Ihnen 2011 zugesandt wurde) zum Ehegatten und zur Religion. Wollen Sie am SEPA-Basislastschrift-Verfahren teilnehmen, müssen Sie – neben der Angabe der Bankdaten unter Zeile 23 – diese Teilnahme erklären (Zeile 45). Zudem ist dann erforderlich, dass Sie den entsprechenden Vordruck ausfüllen und beilegen. Auch wichtig: Wenn Sie den Bescheid an Ihren Steuerberater zustellen lassen möchten, sind in Zeile 56-60 seine entsprechenden Daten einzutragen – er ist dann der Empfangsbevollmächtigte.

Unser Tipp: Wählen Sie das SEPA-Basislastschriftverfahren. Denn so haben Sie die Garantie, keine wichtigen Zahlungsfristen zu verpassen, was mit Säumniszuschlägen geahndet werden kann. So sind Sie auf der sicheren Seite – selbst wenn das Finanzamt nach Ablauf einer Frist abbucht.

2. Unternehmensangaben

Geben Sie im nächsten Bereich Ihre Unternehmensdaten an. Wenn das Unternehmen am Wohnort ausgeübt wird, verweisen Sie einfach auf die Zeile oben. Hierzu gehört neben den allgemeinen Angaben auch die Frage, ob Sie Kaufmann sind. Das ist der Fall, wenn Sie ein Handelsgewerbe betreiben. Wenn Sie allerdings nur ein kleines Gewerbe haben, das keine Einrichtung in kaufmännischer Weise erfordert, ist auch keine Eintragung erforderlich. Das kann z.B. der Fall sein bei einem einzelnen Bratwurstverkäufer mit Bauchladen.

Freiwillig können Sie die Eintragung aber immer vornehmen (Kannkaufmann). Dann haben Sie allerdings auch entsprechende Pflichten. Zu den Kaufmännern gehören u.a. auch die Rechtsformen der OHG, der KG, der AG und der GmbH. Wenn dies für Sie zutrifft, dann sollten Sie im Handelsregister eingetragen sein. Ist dieses bereits erfolgt, einfach einen aktuellen Auszug beilegen. Wenn nicht: schnellstens nachholen!

Sie müssen in Zeile 107 angeben, wann Sie Ihr Unternehmen gegründet haben. Dazu sollten Sie wissen: Hiermit ist nicht das Datum der Eintragung ins Gewerberegister gemeint. Haben Sie beispielsweise für Ihren Schreibwarenladen bereits Radiergummis eingekauft, so zählt das zu den Vorbereitungshandlungen – und damit zur unternehmerischen Tätigkeit, die hier entscheidend ist.

3. Die voraussichtlichen Einkünfte

Unter dem nächsten Punkt (Zeile 126) werden die voraussichtlichen Einkünfte – aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Einkunftsarten – abgefragt. Natürlich müssen Sie hier auch angeben, welche Sonderausgaben und Steuerabzugsbeträge Sie erwarten – denn nur so kann die zu erwartende Steuerhöhe tatsächlich errechnet werden.

Unser Tipp: Schätzen Sie Ihre zu erwartenden Einkünfte möglichst genau. Andernfalls werden unnötigerweise zu hohe oder zu niedrige Vorauszahlungen festgesetzt. Sie können die Vorauszahlung jederzeit anpassen. Stellen Sie rechtzeitig einen formlosen Antrag auf Änderung der Vorauszahlung, wenn Sie merken, dass Sie sich verschätzt haben.

4. Bilanzierung oder Einnahmenüberschussrechnung?

Wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, müssen manche Gewerbetreibende eine Bilanz erstellen, andere wiederum nur eine Einnahmenüberschussrechnung abgeben. Wann aber ist das so?

Bei Einzelunternehmen ist grundsätzlich von einer Einnahmenüberschussrechnung auszugehen. Dies ist dann der Fall, wenn Sie Kleingewerbetreibender sind. Bedeutet: Bei Gewerbetreibenden kommt es auf die Einnahmen an. Ab einem Umsatz von 500.000 Euro bzw. einem Gewinn von 50.000 Euro wird das Finanzamt Sie zur Bilanzierung verpflichten. Bei Freiberuflern – also zum Beispiel Anwälten, Ärzten oder Künstlern – ist dagegen nie eine Bilanzierung erforderlich. Sie dürfen sich mit einer Einnahmenüberschussrechnung begnügen: Hierzu muss lediglich der Gewinn bzw. Verlust ermittelt werden, indem von den Betriebseinnahmen die Betriebsausgaben abgezogen werden.

Zur Frage, ob Sie bilanzierungspflichtig sind, lesen Sie auch unseren Artikel "Bilanz oder EÜR - Was tun am Ende des Geschäftsjahres?".

5. Arbeitnehmer und die liebe Lohnsteuer

Wer in seinem Unternehmen Arbeitnehmer beschäftigt, muss selbstverständlich Lohnsteuer abführen. Die Anmeldung muss bis zum 10. Tag nach Ablauf jedes Anmeldezeitraums abgegeben werden. Dabei gilt: Je höher die Lohnsteuer, desto öfter muss sie angemeldet werden. Bei bis zu 1.000 Euro erwarteter jährlicher Lohnsteuer ist nur eine jährliche Abgabe erforderlich, bei bis zu 4.000 erfolgt die Abgabe vierteljährlich und darüber sogar monatlich.

6. Die Umsatzsteuervoranmeldung – Kleinunternehmer oder nicht?

Als Unternehmer muss man eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Und das ist bei Gründern im Gründungsjahr und im folgenden sogar monatlich erforderlich. Hier gilt aber: Die Frist wird verlängert, wenn das Finanzamt keine Gefährdung der Steuerzahlung sieht. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, können Sie auch einen Antrag auf Dauerfristverlängerung stellen. Beides – Umsatzsteuervoranmeldung und Antrag auf Dauerfristverlängerung - müssen übrigens gestellt werden.

Doch wer muss eigentlich Umsatzsteuer zahlen? Das hängt von Ihren geschätzten Umsätzen im Jahr der Betriebseröffnung sowie im Folgejahr ab, die Sie bitte in Zeile 154 eintragen. Dabei gilt: Kleinunternehmer zahlen keine Umsatzsteuer. Das sind diejenigen Unternehmer, bei denen im vorangegangenen Jahr der Umsatz bei unter 17.500 Euro lag und in diesem Jahr der Umsatz voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen wird.  

Aber: Wie ist es denn nun für Sie als Gründer? Hier müssen Sie die voraussichtlichen Umsätze schätzen. Dabei gilt die 17.500-Euro-Grenze. Liegt die Gründung mitten im Jahr,  müssen die Umsätze auf das volle Kalenderjahr hochgerechnet werden. Bedeutet: Wenn Sie Ihr Unternehmen im Mai anmelden und bis Ende des Jahres mit Einnahmen von 10.000 Euro rechnen, müssen Sie hieraus den gesamten Jahresumsatz errechnen: 10.000 mal 12 (Monate pro Jahr) geteilt durch 8 (Monate des Betriebes)= 15.000 Euro. In diesem Fall wären Sie also Kleinunternehmer.

Sie können auch auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten und freiwillig Umsatzsteuer zahlen. Hieran sind Sie dann aber fünf Jahre lang gebunden.

7. Soll- oder Ist-Versteuerung?

Sind Sie kein Kleinunternehmer und müssen Umsatzsteuer zahlen, haben Sie abschließend in Zeile 171-175 noch eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen: Beantragen Sie die Ist-Versteuerung oder soll es bei der Soll-Versteuerung bleiben?

Was bedeutet das? Grundsätzlich wird nach vereinbarten Entgelten versteuert. Das heißt, in dem Moment, in dem Sie Ihre Leistung erbracht und die Rechnung gestellt haben, wird auch die Umsatzsteuer fällig. Dagegen ist bei der Ist-Versteuerung die Steuer erst dann fällig, wenn das Geld Ihres Kunden auf Ihrem Konto eingegangen ist. Gerade in der Anfangsphase bedeutet die Ist-Versteuerung für den Unternehmer einen Liquiditätsvorteil. Denn Sie müssen erst zahlen, wenn das Geld des Vertragspartners auch tatsächlich da ist.

Unser Tipp: Beantragen Sie die Ist-Versteuerung. Diese gilt dann für das volle Kalenderjahr. Denken Sie aber daran, dass die Genehmigung vom Finanzamt auch widerrufen werden kann. Entscheiden Sie sich dagegen später doch, zur Soll-Versteuerung zurückzukehren, ist dies kein Problem und ohne weiteres möglich.