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Montag, 18. November 2019

Sonstige betriebliche Themen

Sachentnahmen: Die neuen Pauschbeträge für 2017 sind da

Businessfrau am Buffet

Wer bedient sich hier?

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 19.01.2017

Wer in seinem eigenen Lokal isst, aus der eigenen Bäckerei Brötchen und Brot mit nach Hause nimmt oder die Familie mit Fleisch und Wurst aus der eigenen Metzgerei versorgt, muss diese privaten Entnahmen steuerlich berücksichtigen. Zum Glück hat die Finanzverwaltung hier eine Vereinfachungsregelung geschaffen. Statt jede Scheibe Wurst und jeden Keks einzeln zu zählen, dürfen Sie Pauschbeträge ansetzen.

Die neuen Pauschbeträge 2017

Diese Pauschbeträge erhöhen sich jedes Jahr. Für das Jahr 2017 hat das Bundesministerium der Finanzen diese Werte festgelegt:

Gewerbezweig

ermäßigter Steuersatz in Euro

voller Steuersatz in Euro

insgesamt in Euro

Bäckerei

1.142

381

1.523

Fleischerei/Metzgerei

835

811

1.646

Gaststätten aller Art

a) mit Abgabe von kalten Speisen

1.056

1.019

2.075

b) mit Abgabe von kalten und warmen Speisen

1.584

1.658

3.242

Getränkeeinzelhandel

99

283

382

Café und Konditorei

1.106

602

1.708

Milch, Milcherzeugnisse, Fettwaren und Eier (Eh.)

553

74

627

Nahrungs- und Genussmittel (Eh.)

1.069

639

1.708

Obst, Gemüse, Südfrüchte und Kartoffeln (Eh.)

258

221

479

Angegeben sind die Jahreswerte für eine Person ohne Umsatzsteuer. Für ein Kind bis zum 2. Lebensjahr wird kein Pauschbetrag festgesetzt. Für ein Kind bis zum 12. Lebensjahr wird die Hälfte des jeweiligen Werts angesetzt.

Und warum müssen private Entnahmen überhaupt steuerlich berücksichtigt werden?

Ganz einfach: Die entnommene Ware hat der Unternehmer entweder angeschafft oder hergestellt, um sie weiter zu verkaufen. Die Aufwendungen für die Anschaffung bzw. Herstellung hat er steuermindernd als Betriebsausgaben geltend gemacht. Deshalb muss die Entnahme wie eine Betriebseinnahme gewinnerhöhend und damit steuererhöhend angesetzt werden, und zwar zuzüglich Umsatzsteuer.

Beispiel: Bäcker Hofmann versorgt seine Frau und seine drei Kinder (1, 5 und 8 Jahre alt) regelmäßig mit Brot, Brötchen und süßen Teilchen aus der eigenen Backstube. Im Jahr 2017 werden für die Entnahmen für den privaten Gebrauch diese Pauschbeträge angesetzt:

 

Bäcker Hofmann

1.142 Euro zzgl. 7 % USt 

1.221,94 Euro

 

381 Euro zzgl. 19 % USt

453,39 Euro

Ehefrau

1.142 Euro zzgl. 7 % USt

1.221,94 Euro

 

381 Euro zzgl. 19 % USt

453,39 Euro

Kind 1 (1 Jahr)

 

0,00 Euro

Kind 2 (5 Jahre)

½ von 1.142 Euro zzgl. 7 % USt

610,97 Euro

 

½ von 381 Euro zzgl. 19 % USt

226,70 Euro

Kind 3 (8 Jahre)

½ von 1.142 Euro zzgl. 7 % USt

610,97 Euro

 

½ von 381 Euro zzgl. 19 % USt

226,70 Euro

Jahresbetrag gesamt    

 

5.026,00 Euro

 

Familie Hofmann muss im Jahr 2017 für Privatentnahmen einen Betrag von insgesamt 5.026 Euro als Betriebseinnahme ansetzen.

Manchmal ist das Ansetzen der Pauschbeträge ungünstig

Die Pauschbeträge müssen auch dann angesetzt werden, wenn der Unternehmer nur sehr selten Ware für den privaten Gebrauch entnimmt. Eine Kürzung der Pauschbeträge ist also grundsätzlich nicht zulässig. Denn deren Festsetzung dient der Vereinfachung, sodass individuelle Ess- und Trinkgewohnheiten, Krankheit oder Urlaub nicht berücksichtigt werden können. Leidet aber zum Beispiel ein Familienmitglied unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit und darf es deshalb die Produkte aus dem eigenen Betrieb nicht essen, würde der Ansatz der Pauschbeträge zu einem ungerechten und falschen Ergebnis führen.

Tipp 1: Hier sollten Sie auf jeden Fall Belege dafür erbringen, dass für diese Person keine Waren entnommen werden.

Tipp 2: Bei gemischten Betrieben, also wenn zum Beispiel ein Bäcker auch Lebensmittel verkauft, wird nur ein Pauschbetrag angesetzt, und zwar der jeweils höhere.