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Donnerstag, 6. August 2020

Sonstige betriebliche Themen

Mit dem Ferrari Tierleben retten

Hund Mastiff

Kommt sein Lebensretter heute mit dem Ferrari?

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 17.09.2014

Wer meint, sich profilieren zu müssen, indem er mit einem Ferrari durch die Gegend cruist, der soll das tun. Dann soll dieses Gehabe aber bitteschön nicht den Gewinn und damit die Steuern mindern. So der BFH zum enttäuschten Tierarzt.

Je schneller und teurer der Wagen, desto besser. Mag sein, dass das für einige Autoliebhaber das Wichtigste ist. Darauf kommt es aber nicht an, wenn ein freiberuflicher Tierarzt zu seinen Kunden fährt. Bello wird egal sein, wie teuer der Wagen seines Lebensretters war. So sieht es jedenfalls der BFH in einem aktuellen Urteil.

Ferrari kann Firmenwagen sein

Warum nicht den Ferrari Spider für Fahrten zu Gerichtsterminen und Fortbildungveranstaltungen nutzen und die Aufwendungen als Betriebsausgaben abziehen? Das dachte sich ein Tierarzt für Kleintiere und gab  frech seine Fahrten in der Steuererklärung an. Das Finanzamt nahm den Abzug vor, allerdings nur in Höhe von einem Euro pro Kilometer. Was der Tierarzt nämlich offenbar nicht bedacht hatte: Die Aufwendungen müssen der Höhe nach angemessen sein.

Genau in diese Kerbe schlug auch der BFH mit Urteil vom 29.04.2014 (Aktenzeichen VIII R 20/12). Er stellte zwar klar, dass auch ein Ferrari als Firmenwagen geeignet sei. Schließlich habe der Tierarzt nur die betrieblich veranlassten Fahrten zugrunde gelegt. Dass der Tierarzt den Wagen auch aus persönlichen Gründen nutze, sei grundsätzlich auch nicht schlimm.

Unter Tierärzten nicht üblich

Aber: Angemessen sei das nicht. Schließlich hätte ein gewissenhafter Unternehmer diese Aufwendungen nicht auf sich genommen, so der BFH. Zum einen stehe der Repräsentationsaufwand und Affektionswert des Luxuswagens nicht im Verhältnis zum dadurch erzielten Geschäftserfolg. Vor allem, weil andere Tierärzte sich schließlich auch nicht mit solchen Mitteln zu Erfolg verhelfen. Zum anderen habe er den Wagen innerhalb von drei Jahren für nur 20 Fahrten genutzt. Und das - bei Gerichtsterminen, Reisen und Fortbildungen - nicht gerade für solche Fahrten, die typisch für den Beruf eines Tierarztes sind.

Das ultimative Rezept zur Begrenzung auf eine angemessene Höhe: Im Internet gucken, wie die Fahrtkosten bei aufwändigeren Modellen gängiger Marken der Oberklasse berechnet werden und diesen Wert ansetzen. Das Finanzgericht hatte das teuerste Vergleichsfahrzeug, einen Mercedes SL 600, genommen und einen Durschnittswert von 2 € pro Kilometer zugrunde gelegt.

Bedeutet das, ein Mercedes SL 600 ist für einen Tierarzt angemessen? Ein Ferrari dagegen nicht? Was soll hier die Grenze sein und wer beurteilt, welcher Wagen für welchen Berufsstand angemessen ist?

Fazit: Interessantes Urteil, das sicher Folgefragen aufwerfen wird. Zum Beispiel: Mache ich einen Job, für den ich vielleicht einen Porsche brauche? Wie viele meiner Berufskollegen müssen dafür einen Porsche besitzen? Und: Wäre nicht der eine oder andere Bello gerettet worden, wenn jeder Tierarzt einen 400-PS-Sportwagen fahren würde?