Donnerstag, 3. Dezember 2020

Sonstige betriebliche Themen

Herrenabende nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig

Zigarren

Bei einem gepflegten Herrenabend werden gerne Zigarren gereicht.

Artikel erstellt von:  Karin Winkler
Datum: 11.08.2014

Wenn Männer in Führungspositionen Gartenpartys bei Rechtsanwälten veranstalten, um miteinander ins Gespräch zu kommen, gehören ausführliche Begrüßung, Bewirtung und Bühnenprogramm selbstverständlich dazu. Soll man den Betriebsausgabenabzug der Aufwendungen deshalb gleich versagen? Ja, sagt das Finanzgericht Düsseldorf.

Wer Einkünfte aus selbständiger Arbeit hat, darf Betriebsausgaben abziehen, wodurch der Gewinn gemindert wird. Selbstverständlich geht das nur, wenn die Aufwendungen auch dem Betrieb dienen. Die Preisfrage ist: Dient es einer Rechtsanwaltskanzlei, "Herrenabende" im privaten Garten des Partneranwalts zu veranstalten, die darauf ausgelegt sind, dass man "netzwerkt"? Das hatte das Finanzgericht Düsseldorf kürzlich zu entscheiden - und erteilte den Herren eine Absage (Urteil vom 19.11.2013, Aktenzeichen 10 K 2346/11 F, Revision nicht zugelassen).

Herren unter sich

Eine Rechtsanwaltskanzlei lud ca. 350 Persönlichkeiten aus Mandantenschaft, Geschäftsfreundeskreis, Politik und Vereinen zu ebensolchen Partys ein. Jeder einzelne wurde ausführlich durch einen Externen begrüßt und um eine gemeinnützige Spende gebeten, während des mehrstündigen Unterhaltungsprogramms wurden Speisen gereicht, danach unterhielt man sich.

Die Herren vertraten die Ansicht, die Feiern seien betrieblich veranlasst gewesen - schließlich habe man hierdurch nur mit bestehenden und potenziellen Mandanten Kontakt pflegen oder diesen anstreben wollen. Fragt sich nur, ob man hierzu eine Bühnenshow und ein Dinner braucht.

Kein Betriebsausgabenabzug

Den Abzug der Ausgaben verbietet das Gesetz bei Aufwendungen für Jagd und Fischerei, Segel- und Motorjachten und ähnliche Zwecke, und zwar auch dann, wenn in diesem Zusammenhang die Teilnehmer bewirtet werden. Wichtig: Eine Nähe zur Lebensführung der Gäste ist Voraussetzung für das Abzugsverbot. 

Das Finanzgericht sah eben dieses Verbot als gegeben an. Schließlich spreche der Eventcharakter der Veranstaltung - Privatgrundstück, Bühnenprogramm und Zelte, Verköstigung, private Gespräche - eindeutig für die persönliche Lebensführung der einzelnen ausgewählten Gäste. Auch die Tatsache, dass ein nicht zur Partnerschaft gehörender Conferencier diese begrüße, unterstreiche dies. Vergleichbar mit einer Werbeveranstaltung sei dies wohl kaum - beispielsweise eine Information zu einem juristischen Thema ließ die Feier gänzlich vermissen.

Fazit: Die Entscheidung ist absolut nachvollziehbar - schließlich reicht für ein Abzugsverbot bereits aus, dass ein Zusammenhang mit der Lebensführung nicht ausgeschlossen werden kann. Die Herren Anwälte führen ja durchaus ein interessantes Leben, wenn sie solche Partys veranstalten. 

Erwähnenswert übrigens hierbei die Begründung der Herren dafür, dass Frauen nicht eingeladen seien: In Führungsebenen seien nach wie vor ausschließlich Männer tätig - bei den Vorbereitungshandlungen seien die Rechtsanwältinnen und Mitarbeiterinnen unterstützend tätig gewesen. "Die Partner würden es aber durchaus zu schätzen wissen, auch gemeinsam mit Damen zu feiern, z.B. bei den jährlichen Karnevalsfeiern". Was für ein Glück für die Damenwelt!