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Donnerstag, 18. Juli 2019

Sonstige betriebliche Themen

Gewinnerzielungsabsicht auch bei Verlusten mit Photovoltaikanlagen

Photovoltaikanlage

Liegt nur Liebhaberei vor oder eine Gewinnerzielungsabsicht?

Artikel erstellt von:  F. Marquardt
Datum: 31.08.2017

Wer mit einer Photovoltaikanlage nur Verluste erwirtschaftet, muss sich irgendwann der Frage stellen: Liegt Gewinnerzielungsabsicht oder Liebhaberei vor? Davon hängt ab, ob Ihre Verluste steuermindernd berücksichtigt werden können. Für die Argumentation mit dem Finanzamt kann ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg helfen, das eine Gewinnerzielungsabsicht bejahte, obwohl der Betreiber der Photovoltaikanlage keine Gewinne vorweisen konnte.

Wer mit dem Betrieb einer Photovoltaikanlage Geld verdienen möchte, braucht einen langen Atem. Denn bis sich die Anschaffungskosten amortisiert haben, kann es Jahre bis Jahrzehnte dauern. Zwar können Sie Ihre Verluste aus dem Betrieb der Photovoltaikanlage steuerlich geltend machen – irgendwann will das Finanzamt aber schwarze Zahlen sehen. Ansonsten wertet es das Ganze als Liebhaberei und erkennt die Verluste nicht an.

Ganz so streng sind die Gerichte nicht. Zumindest das Finanzgericht Baden-Württemberg war bei einem Steuerpflichtigen, der aus dem Betrieb einer Photovoltaikanlage ausschließlich Verluste erzielte, recht großzügig.

Grundsätzlich gilt: Ständige Verluste führen zu Liebhaberei

Gewinnerzielungsabsicht oder Liebhaberei? Das war hier die Frage. Das Finanzamt entschied sich für die Liebhaberei. Warum?

Der Steuerpflichtige betrieb zwei Photovoltaikanlagen. Die erzeugte Energie sollte über einen integrierten Zähler erfasst, abgerechnet und in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist werden. Der beim Kauf im Verkaufsprospekt prognostizierte Ertrag konnte tatsächlich aber nicht erreicht werden. Aus dem Betrieb erwirtschaftete der Steuerpflichtige deshalb nur Verluste.

Diese machte er in seiner Steuererklärung bei seinen Einkünften aus Gewerbebetrieb geltend. Das Finanzamt kam jedoch zu dem Ergebnis, dass der Totalgewinn aus den Anlagen negativ ist, und zwar gemessen an der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 20 Jahren. Und deshalb liege ein Liebhabereibetrieb vor, der steuerlich nicht berücksichtigt werden kann.

Ausnahme: Trotz Verlust kann Gewinnerzielungsabsicht vorliegen

Die Finanzrichter erkannten dagegen die Verluste des Steuerpflichtigen steuermindernd an.

Zwar kamen auch sie zu dem Ergebnis, dass sich für den Prognosezeitraum von 20 Jahren ein negativer Totalgewinn ergibt. Allerdings würdigte das Gericht auch die Gründe dafür.

Im vorliegenden Fall hatte der Steuerpflichtige zum Beispiel technische Maßnahmen ergriffen, um das betriebliche Ergebnis zu verbessern. Dazu gehörten insbesondere die Überprüfung der Verkabelung und das Reinigen der Oberflächen der Photovoltaik-Module – was dazu führte, dass die Einnahmen stiegen. Darüber hinaus reduzierte der Steuerpflichtige durch Gespräche mit der Darlehen gebenden Bank auch noch die Ausgaben.

Und so entschied das Finanzgericht schließlich, dass trotz der negativen Prognose eine Gewinnerzielungsabsicht vorlag (Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 9.2.2017, 1 K 841/15).

Ausblick: Auf was sich Betreiber einer Photovoltaikanlage einstellen müssen

Es liegt nur ein schmaler Grat zwischen Gewinnerzielungsabsicht und Liebhaberei. Deshalb ist das Urteil für Betreiber einer Photovoltaikanlage erfreulich – auch wenn das letzte Wort womöglich der Bundesfinanzhof hat. Denn das Finanzgericht hat die Revision zugelassen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser die Entscheidung aus Baden-Württemberg bestätigt. Die Aussichten dafür sind meines Erachtens ganz gut, denn die Gründe der Finanzrichter überzeugen.

Darum sind Photovoltaikanlagen steuerlich so anspruchsvoll

Als Betreiber einer Photovoltaikanlage kommen Sie mit mindestens zwei, manchmal sogar drei Steuerarten in Berührung. Die Einkünfte aus einer Photovoltaikanlage unterliegen zum einen der Einkommensteuer, Verluste wirken sich steuermindernd aus.

Auf die Umsätze wird zum anderen Umsatzsteuer fällig. Hier kann man aber bei einem Jahresumsatz bis 17.500 Euro die günstige Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.

Auch die Gewerbesteuer kann Betreiber einer Photovoltaikanlage treffen – allerdings erst ab einem Gewerbeertrag von mehr als 24.500 Euro.