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Donnerstag, 19. September 2019

Sonstige betriebliche Themen

Bilanz oder EÜR - was tun am Ende des Geschäftsjahres?

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Sind Sie zur Bilanzerstellung verpflichtet?

Artikel erstellt von:  Torsten Peinelt
Datum: 14.08.2014

Zumindest bei der Gründung muss sich jeder Unternehmer einmal die Frage stellen: Muss es eine Bilanz sein oder reicht auch eine einfache EÜR? Freiwillig kann jeder bilanzieren. Doch wer ist tatsächlich dazu verpflichtet? Und welche Vorteile bringt es?

Bevor man sich die Frage nach der Art der Gewinnermittlung stellt, muss man zuallererst wissen, was eigentlich der Unterschied zwischen einer EÜR und einer Bilanz ist.

EÜR: "Einnahmen minus Ausgaben", Bilanz: "Betriebsvermögensvergleich"

Wer eine EÜR erstellt, muss lediglich die Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen abziehen: Die sich daraus ergebene Differenz ist der Gewinn.Einen Aufschluss über die tatsächliche Vermögenslage gibt die EÜR jedoch nicht.

Ein besseres Bild vermittelt dagegen die Bilanz, die gemeinsam mit der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) den Jahresabschluss bildet. Die Bilanz liefert eine Übersicht über das vorhandene Vermögen an einem bestimmten Stichtag

Die Bilanz zeigt im Grunde:

  • Aktiva (linke Seite der Bilanz):Wie das vorhandene Vermögen verwendet wird. Es gliedert sich in Anlagevermögen (das Vermögen, das dauernd dem Geschäftsbetrieb dient, z.B. Maschinen) und Umlaufvermögen (das Vermögen, das sich im Kreislauf befindet und nicht dauernd dem Betrieb dient, z.B. Forderungen oder Rohstoffe).*
  • Passiva (rechte Seite der Bilanz): Wie wird das vorhandene Vermögen finanziert? Handelt es sich um Eigenkapital (z.B. der Jahresüberschuss oder Gewinnrücklagen) oder um Fremdkapital handelt (z.B. Pensionsrückstellungen oder Verbindlichkeiten wie Zahlungspflicht aus Bankkredit)?*

Das perfekte Bild der Vermögenslage kann aber auch die Bilanz nur begrenzt geben. Grund dafür sind u.a. "stille Reserven", die entstehen, wenn der tatsächliche Wert eines Wirtschaftsgutes den buchhalterischen Wert übersteigt. Zu diesen in der Bilanz nicht ersichtlichen fehlenden Vermögensbestandteilen kann es z.B. kommen, wenn der Verkehrswert einer Immobile steigt.

Beispiel: A kauft ein Wohngebäude zum Preis von 500.000 €, das er über 50 Jahre (also 2 % im Jahr) abschreibt. Nach 10 Jahren wurde der buchhalterische Wert von 2% von 500.000 x 10 Jahre = 100.000 € gemindert. A verkauft das Gebäude für 600.000 € und deckt damit stille Reserven von 200.000 € auf.  

Wer muss bilanzieren? Wer muss nicht, darf aber?

Wer nie um die Pflicht herum kommt, eine Bilanz zu erstellen, sind unter anderem der eingetragene Kaufmann, die OHG, die KG, die GmbH und die UG.

Der gewerbliche Unternehmer, der kein Kaufmann ist, hat grundsätzlich die Wahl zwischen EÜR und der Bilanz. Soweit er jedoch einen Jahresumsatz von über 500.000 € oder einen Jahresgewinn von über 50.000 € hat, ist auch er verpflichtet eine Bilanz aufzustellen.

Beispiel: Der Tischlermeister Gutholz hatte zum Abschluss der Geschäftsjahre 2012 und 2013 510.000 € Umsatz und 45.000 € Gewinn zu verzeichnen. Hier ist eine Bilanz zu erstellen. Grund: Der Umsatz lag in den zwei aufeinanderfolgenden Jahren bei über 500.000 €. Läge er bei 499.000 €, der Gewinn aber bei 51.000 €, wäre ebenfalls eine Bilanz fällig. Denn es muss entweder der Umsatz über 500.000 oder der Gewinn über 50.000 € liegen.

Abwandlung: 2012 gründet der Tischlermeister Schönholz sein Unternehmen. Hier ist es ausreichend für eine Bilanzierungspflicht, wenn zum Abschlussstichtag 2013 der Umsatz bei über 500.000 € oder der Gewinn über 50.000 € liegt.

Freiberufler können aufatmen. Sie müssen - unabhängig von Umsatz und Gewinn - immer nur eine EÜR erstellen. Die Einordnung, ob ein Freiberufler oder ein gewerblicher Einzelunternehmer vorliegt, kann aber mitunter schwierig sein. Bei den Berufen wie Arzt oder Rechtsanwalt ist die Zuordnung als freier Beruf eindeutig. Was aber ist beispielsweise mit einem Programmierer? Hier kommt es auf den konkreten Einzelfall an. Lesen Sie hierzu unseren Artikel "Freiberufler oder Gewerbetreibender - der feine Unterschied".

Freiwillig bilanzieren hat Vorteile

Warum soll man sich für die aufwändigere Bilanz mit GuV entscheiden, wenn es mit der EÜR auch einfacher geht?

Einer der Hauptgründe ist die Darstellung der Vermögenslage, auf deren Basis der Unternehmer ein umfassendes wirtschaftliches Bild von seinem Unternehmen hat. Damit kann er besser sein Unternehmen steuern und auf Veränderungen des Marktes aber auch der innerbetrieblichen Kosten reagieren. Daneben schätzen auch Banken die Bilanz als Darstellung der Vermögenslage. Besonders bei der Kreditvergabe und der Risikoeinstufung zur Zinsermittlung kann sich die Bilanz vorteilhaft auswirken.  

Fazit: Die Bilanz hat deutliche Vorteile gegenüber der EÜR und ist dennoch nicht immer die richtige Wahl. Es kommt immer auf die Gesamtumstände an. Für kleine Unternehmen ohne umfangreiches Anlage- und Umlaufvermögen ist die EÜR eine einfache und kostengünstige Variante zur Gewinnermittlung. Doch mit zunehmender Komplexität und Größe des Unternehmens ist die Bilanz ein besseres Steuerungsinstrument, das eine genauere zeitliche Zuordnung der wirtschaftlichen Gewinne ermöglicht.

* Eine Bilanz kann zudem noch aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten sowie latente Steuern beinhalten, die die Darstellung an dieser Stelle verkomplizieren würden.