Sonntag, 21. April 2019

Sonstige betriebliche Themen, Werbungskosten

Aufwendungen für Privaträume sind keine Betriebsausgaben

Küche

Auch wenn die Küche in der eigenen Wohnung teilweise beruflich genutzt wird, sind die Aufwendungen steuerlich nicht zu berücksichtigen

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 04.07.2013

Immer wieder testen Steuerpflichtige ihre Finanzbeamten und ziehen private Aufwendungen als Betriebsausgabe ab. Besonders bei der beruflichen oder betrieblichen Nutzung privater Wohnräume werden Steuergestalter kreativ. Die Kreativität reicht von einfachen Behauptungen über das Heizverhalten bis zur Führung von Toilettentagebüchern.

Aufwendungen für die eigene Wohnung gehören zur privaten Lebensführung. Sie sind steuerlich nicht zu berücksichtigen. Aber es gibt natürlich Ausnahmen: Wird ein Raum ausschließlich beruflich genutzt, können die Aufwendungen abziehbar sein. Dabei kommt es darauf an, wozu dieser Raum genutzt wird.

Der Klassiker unter den beruflich genutzten Privaträumen ist das häusliche Arbeitszimmer. Weil man durch ein Arbeitszimmer sehr einfach einen Steuerabzug fingieren kann, hat der Gesetzgeber die Abzugsfähigkeit von Arbeitszimmern eingeschränkt. Steht für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, kann der Steuerpflichtige bis zu 1.250 Euro im Jahr steuerlich geltend machen. Nur wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit ausmacht, können die Kosten voll abgezogen werden.

Tipp: Diese Regelung betrifft nur das Arbeitszimmer. Ein Behandlungsraum oder ein Lager innerhalb der eigenen vier Wände ist davon nicht betroffen. Wenn Sie also einen privaten Raum ausschließlich betrieblich nutzen, dies aber kein Arbeitszimmer ist, sollten Sie dies dem Finanzamt gegenüber auch so darlegen.

Wie aber sind die übrigen Räume steuerlich zu behandeln, die teilweise privat und teilweise beruflich genutzt werden? Denn in der Küche wird auch der Kaffee zubereitet, der während der Arbeitszeit getrunken wird. Auch werden sanitäre Einrichtungen während der Arbeitszeit genutzt. Die Rechtslage ist eindeutig und auch in sich schlüssig: Aufwendungen für Räume, die privat und beruflich genutzt werden, können nicht abgezogen werden. Dazu gab es mehrere Urteile in letzter Zeit, die von den Gerichten allesamt zu Ungunsten der jeweiligen Kläger entschieden wurden:

  • Mit Urteil vom 26. April 2013 entschied das Finanzgericht Münster (Aktenzeichen 14 K 3871/11), dass Küche, Flur und Bad einer Privatwohnung nicht zum häuslichen Arbeitszimmer gehören. Der Steuerpflichtige konnte daraus auch keine Betriebsstätte "konstruieren", nur weil ab und zu ein paar Kunden in der Wohnung empfangen wurden.
  • Am 4. April 2013 entschied das Finanzgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 10 K 734/11) im Falle einer selbständigen Lebensberaterin, die Vollzeit zuhause arbeitete, dass Aufwendungen für teilweise privat genutzte Räume nicht abgezogen werden können. Die Lebensberaterin berief sich auf ihr Heizverhalten und auf den beruflich bedingten höheren Stromverbrauch. Nach ihrer Aussage wurden bestimmte Privaträume (z.B. das Schlafzimmer) nie geheizt, so dass die Heizkosten zum größten Teil betrieblich veranlasst seien.
  • Das Finanzgericht Baden-Württemberg entschied am 21. Januar 2013 (Aktenzeichen 9 K 2096/12), dass eine Toilette nicht zum häuslichen Arbeitszimmer eines Betriebsprüfers gehöre. Der Betriebsprüfer versuchte dabei vergeblich, die betriebliche Nutzung der sanitären Anlagen mit Hilfe eines Toilettentagebuches nachzuweisen. Wir hatten hier darüber berichtet.

Bei den Verfahren vor den Finanzgerichten Münster und Düsseldorf wurde die Revision zugelassen. Falls der Bundesfinanzhof von den Finanzgerichten abweicht, werden wir Sie über ein solches Sensationsurteil natürlich informieren. Bis dahin ist es ratsam, andere Steuersparmöglichkeiten zu suchen, z.B. über folgenden

Tipp: Auf Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer reagieren Finanzämter allergisch. Denn allzu oft wurde diese Steuersparmöglichkeit in der Vergangenheit missbraucht. Einfacher ist der Abzug eines externen Arbeitszimmers. Denn die Kosten eines Arbeitszimmers im Nachbarhaus sind grundsätzlich in voller Höhe abziehbar.