#
Donnerstag, 18. Juli 2019

Werbungskosten

Werbungskosten: Kosten für Feier zum Dienstjubiläum abziehbar

Essen in Kantine

Zum Mittag muss es nicht immer Kantine sein.

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 08.09.2016

Es gibt viele gute Gründe für eine Feier. Einer davon ist sicher das 40-jährige Dienstjubiläum. Und wenn man es richtig anstellt, kann man die Kosten dafür sogar als Werbungskosten abziehen. Der BFH hat in einem aktuellen Urteil entschieden, wann der Abzug möglich ist.

Ein nettes Beisammensein, ein paar Häppchen und ein Gläschen Sekt – da sagt kaum ein Arbeitskollege Nein zu einer kleinen Auszeit von der Arbeit. Ist der Anlass das 40-jährige Dienstjubiläum, stehen die Chancen für einen Werbungskostenabzug ganz gut. Der BFH hat in einem aktuellen Urteil entschieden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Auf den Anlass kommt es an

Ein Finanzbeamter genoss seinen Status seit 40 Jahren – und sah darin einen Anlass zum Feiern. Per Mail lud er alle Angehörigen des Amtes zur Verköstigung kleiner Häppchen, Sekt und Wein in den Sozialraum des Hauses ein – von 11 bis 13 Uhr. Für 50 Personen investierte er gut 800 Euro und setzte diese in der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten an. Finanzamt und Finanzgericht versagten den Abzug – erst der BFH gab ihm Recht.

Die BFH-Richter (Urteil vom 20.1.2016, Aktenzeichen VI R 24/15) sahen in den Ausgaben solche zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung seiner nichtselbständigen Einnahmen. Entscheidend war für sie der Anlass, der hier klar berufsbezogen war, weil dem Jubilar durch den Dienstherren Anerkennung und Dank ausgesprochen werde. Gleichzeitig stellten sie aber klar, dass der Anlass allein nicht entscheidend sei, und trotz allem eine private Veranlassung der Kosten noch in Betracht kommen könne. Auch bei der Feier eines persönlichen Ereignisses sei eine berufliche Veranlassung der Aufwendungen nicht von vornherein ausgeschlossen.

Die weiteren Umstände sind auch wichtig

Hier passten aber auch die Umstände zum Anlass: Der Beamte hatte alle Amtsangehörigen und nicht nur ausgewählte Personen, denen er vielleicht auch freundschaftlich verbunden war, eingeladen. Die Kosten seien im angemessenen Rahmen geblieben, der Veranstaltungsort war in der Behörde selbst und die Zeit lag in der üblichen Dienstzeit. Zuletzt hatte er die Feier durch den Amtsleiter genehmigen lassen – alles Umstände, die klar gegen eine „private Sause“ sprechen.

Ziemlich unbeeindruckt war der BFH dagegen von den „Gegenentscheidungen“, mit denen das Finanzamt sich wehrte: Der Vergleich mit einem Priesterjubiläum lief ins Leere, weil ein Geweihter in besonderer Weise dem kirchlichen Leben, nicht aber einem Beruf diene. Auch ein mit 250 Personen des öffentlichen Lebens gefeierter Empfang eines Dienstjubilars, der selbst Person des öffentlichen Lebens ist, sei mit dem vorliegenden Fall nicht vergleichbar. Hier stehe die Erfüllung von Repräsentationspflichten im Vordergrund.

Fazit: Wer etwas zu feiern hat und die Kosten als Werbungskosten geltend machen möchte, sollte persönliche Wünsche wohl in den Hintergrund rücken und peinlich genau darauf achten, dass Folgendes „stimmt“:

  • Die Gästeliste sollte ausnahmslos alle Personen aus der Abteilung/dem Haus enthalten.
  • Die Veranstaltung sollte im beruflichen Umfeld und am besten (teilweise) während der Arbeitszeit stattfinden.
  • Die Kosten sollten nicht den üblichen Rahmen von dienstlichen Feiern sprengen.
  • Der Anlass sollte betrieblichen Charakter haben.

Sind die meisten Kriterien erfüllt? Dann klappt´s auch mit dem Abzug. Zumindest sollten Sie es versuchen!