Samstag, 24. August 2019

Werbungskosten

Unfall auf dem Arbeitsweg: Wie ermittelt sich der Wertverlust?

Ein Unfallauto wird abgeschleppt

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 03.12.2012

Passiert Ihnen auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ein Unfall, können Sie die entstandenen Kosten als Werbungskosten abziehen. Wie aber ermitteln sich die Werbungskosten, wenn das Fahrzeug nicht repariert wird? Laut Bundesfinanzhof ist der fiktive Buchwertverlust zu berechnen - sehr zum Nachteil der meisten Steuerpflichtigen.

Ein PKW-Unfall kann teuer werden. Passiert der Unfall aber auf dem Weg zur Arbeit, können Sie das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Lassen Sie das Fahrzeug reparieren, können Sie die Reparaturkosten als Werbungskosten abziehen.

Wird das Fahrzeug aber unrepariert verkauft, wird es komplizierter. Denn Sie können nicht einfach den tatsächlichen Wertverlust als Werbungskosten abziehen. Stattdessen ist ein fiktiver Buchwertverlust zu ermitteln. Man behandelt den Privat-PKW somit wie ein betrieblich genutzes Fahrzeug.


Beispiel:

Familie Steiner kauft sich ein neues Auto für 30.000 Euro. Die gewöhnliche Nutzungsdauer beträgt sechs Jahre. Nach fünf Jahren passiert ein Unfall auf dem Weg zur Arbeit. Geschätzte Reparaturkosten: 10.000 Euro.

Würde Familie Steiner das Auto reparieren lassen, könnten sie die vollen Reparaturkosten als Werbungskosten abziehen. Reparieren Sie das Auto nicht, beträgt der Werbungskostenabzug nur 5.000 Euro:

Der fiktive Buchwert des Autos vor dem Unfall würde 5.000 Euro betragen (30.000 Euro - 5 Jahre x 5.000 Euro jährliche Abschreibung). Als Werbungskosten sind die geschätzten Reparaturkosten in Höhe von 10.000 Euro abziehbar, aber maximal bis zum fiktive Buchwert. Der Abzug ist somit auf 5.000 Euro begrenzt.


Was wäre passiert, wenn der Unfall im Beispiel ein Jahr später geschehen wäre? Das Fahrzeug der Familie Steiner wäre vor dem Unfall buchhalterisch voll abgeschrieben gewesen. Der Werbungskostenabzug würde im Falle der Nicht-Reparatur 0 Euro betragen.

In einem ähnlich gelagerten Fall hatte der Bundesfinanzhof kürzlich zu entscheiden (Urteil vom 21.8.2012, Aktenzeichen VIII R 33/09). Der betroffene Steuerpflichtige konnte keine Werbungskosten abziehen, weil der private PKW bereits fiktiv voll abgeschrieben war.

Tipp: Rechnen Sie genau nach, denn die steuerliche Auswirkung kann sehr hoch sein. In vielen Fällen ist es besser, das Auto reparieren zu lassen und anschließend zu verkaufen.