Freitag, 6. Dezember 2019

Werbungskosten

Pendlerpauschale: BFH hebt FG-Urteil zu Werbungskosten wegen Falschbetankung auf

Autobahn

Mit Benzin statt Diesel kommen Sie nicht auf die Autobahn.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 21.07.2014

Zu früh gefreut: Falschtanker dürfen ihre Reparaturkosten doch nicht als Werbungskosten neben der Pendlerpauschale absetzen. Trostpflaster adé.

Nichts ändert sich so schnell wie die Lage. Da hat man sich gerade noch gefreut, dass man bei einer Unachtsamkeit wie der Betankung seines Wagens mit Benzin statt Diesel nicht auf den Reparaturkosten sitzen bleibt - und schwupps, hebt der BFH dieses für Steuerzahler günstige Urteil wieder auf (Urteil vom 20.3.2014, Aktenzeichen VI R 29/13).

Laut FG Niedersachsen Werbungskosten neben der Pendlerpauschale in Ordnung

Doch worum ging es eigentlich? Der Kläger tankte seinen Wagen auf dem Weg von der Wohnung zur Arbeit versehentlich mit Benzin statt mit Diesel. Das wurde ihm erst klar, als es schon zu spät war: Heraus kam ein Motorschaden, der mit Reparaturkosten von fast 4.300 € zu Buche schlug - ein teurer Spaß. In der Einkommensteuererklärung machte er diesen Betrag als Werbungskosten geltend - neben der Entfernungspauschale.

Das FG Niedersachsen fand das ok - schließlich könne man hier nicht mehr von "normalen, vorhersehbaren Kosten" sprechen (Urteil vom 24.4.2013, Aktenzeichen 9 K 218/12). Lesen Sie dazu auch unseren Artikel "Benzin statt Diesel: Wie ein Motorschaden die Werbungskosten erhöht").

Wer Benzin statt Diesel tankt, hat laut BFH doch Pech gehabt

Diese Begründung ließ der BFH allerdings nicht gelten und stellte klar, dass ein gesonderter Werbungskostenabzug nicht möglich ist. Vielmehr klammert sich der BFH an den eindeutigen Wortlaut der Vorschrift, nach der "sämtliche Aufwendungen" mit der Entfernungspauschale abgegolten sein sollen, und zwar unabhängig von der Höhe.

Zudem habe man die Vorschrift nicht nur aus umweltpolitischen Gründen, sondern gerade auch zum Zwecke der Steuervereinfachung eingeführt. Demnach müsste jeder denkbare Einzelfall in diesem Zusammenhang unter die Regelung fallen. Dass für besondere Sachverhalte Sonderregelungen geschaffen werden, könne dem Gesetzgeber nicht abverlangt werden.

Fazit: Zunächst einmal klingt es - trotz der Schlappe für den Steuerzahler - ehrenwert, dass der BFH sich hier bemüht, eine Steuervereinfachung herbeizuführen. Schaut man allerdings genauer hin, merkt man, dass die Argumentation der Abdeckung ausnahmslos "sämtlicher Aufwendungen" wohl doch nicht greift und der BFH inkonsequent scheint. Denn für Unfallkosten, die auf dem Weg von Wohnort zur Arbeitsstätte entstehen, greift die Abgeltungswirkung durch die Pendlerpauschale bislang nicht (siehe hierzu Hinweis 9.10 LStH 2012).

Unser Tipp: Es bleibt abzuwarten, ob der BFH hier nachkorrigiert. Bis dahin sollten Sie es wie bisher halten und Unfallkosten als zusätzliche Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen.