#
Dienstag, 19. Februar 2019

Werbungskosten

Orchestermusiker darf schwarzen Anzug nicht als Werbungskosten abziehen

Orchester

Beim Konzert ist ein schwarzer Anzug üblich.

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 22.09.2016

Wer auf klassische Konzerte geht, weiß, dass die Musiker in der Regel einheitlich schwarze Anzüge tragen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob sie diese auch in der Freizeit tragen? Für den Werbungskostenabzug spielt das nur bedingt eine Rolle, so das Finanzgericht Münster.

Ein Abzug von bestimmten Kosten als Werbungskosten kommt in Betracht, wenn die Aufwendungen der Ausübung des Berufs dienen. Bei Berufskleidung eines Arztes liegt es auf der Hand, dass er den Arztkittel abziehen darf. Wie aber sieht es bei solcher Kleidung aus, die man auch privat tragen kann? Worauf es beim Werbungskostenabzug für Berufskleidung ankommt, musste ein Orchestermusiker schmerzlich vom Finanzgericht Münster erfahren.

Bei Konzerten bitte schön festlich

Der Orchestermusiker im betreffenden Fall wurde bei Konzerten zu folgender Tracht verdonnert: Schwarze Hose, schwarzes Sakko, weißes oder schwarzes Hemd und Krawatte. Das war privat so gar nicht sein Stil, weshalb er shoppen gehen musste: Zwei Hosen und ein Sakko zum Preis von insgesamt ca. 550 Euro sollten es sein. Außerdem bekam der Musiker ein monatliches Kleidergeld von 11,79 Euro als Orchestermitglied. Die Kosten für die festliche Robe wollte er als Werbungskosten geltend machen. Das gefiel weder Finanzamt noch dem Finanzgericht Münster.

Ein Orchestermusiker ist kein Oberkellner

Die Richter des FG Münster (Urteil vom 13.7.2016, Aktenzeichen 8 K 3646/15 E) ließen sich von der Argumentation des Musikers nicht beeindrucken. Für sie war klar:
Es handelt sich um Kleidung für private Zwecke. Dafür spreche auch, dass man in dem Laden nur bürgerliche Kleidung kaufen kann. Unbeeindruckt waren Sie vom Vortrag des Musikers, dass er den Anzug nicht privat trage. Schließlich reiche es aus, dass es grundsätzlich möglich und üblich wäre, einen schwarzen Anzug auch privat zu tragen.   

Auch den Vergleich mit den – abziehbaren - Kosten der Kleidung eines Oberkellners oder Leichenbestatters ließen die Richter nicht durchgehen: Der schwarze Anzug sei in diesen Fällen ein ausschließlich berufliches Kleidungsstück, das z.B. der Position als Oberkeller Ausdruck verleihe und das die Gäste auch erwarten. Beim Orchestermusiker dagegen gehe es um den festlichen Anlass, der durch die Kleidung unterstrichen werden solle. Und dies sei der zum Tragen von schwarzen Anzügen übliche Zweck.

Kleidergeld vom Arbeitgeber spielt auch keine Rolle

Daran ändere es auch nichts, dass der Musiker sich hier von den anderen abhebe, weil er sein Instrument auch solo spiele. Nicht zuletzt konnte er mit dem Argument, er bekomme ein Kleidergeld vom Arbeitgeber, nicht punkten. Er habe ihm auch nicht nicht untersagt, die Kleidung auch privat zu tragen.

Fazit: Eine wenig überraschende Entscheidung. Und somit ist es auch verständlich, dass das Finanzgericht die Revision zum BFH nicht zugelassen hat. Damit ist das Urteil für unseren Musiker wohl oder übel das Ende vom Lied!