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Mittwoch, 17. Juli 2019

Werbungskosten

Mit dem Privatflugzeug beruflich reisen: Steigt der Fiskus da ein?

Flugbegleiter Einstieg Flugzeug

Sind die Kosten für ein Privatflugzeug als Werbungskosten abziehbar?

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 15.06.2017

Mit der eigenen Maschine über den Wolken zu schweben, ist für den einen oder anderen faszinierend – aber auch sehr teuer. Wenn Sie trotzdem als Pilot selbst zu beruflichen Auswärtsterminen jetten, stellt sich die Frage: Sind das abziehbare Werbungskosten? Grundsätzlich schon, aber nur in angemessener Höhe - so der BFH.

Normalerweise ist es Ihre Sache bzw. die Ihres Arbeitgebers, mit welchem Verkehrsmittel Sie berufliche bzw. dienstliche Reisen erledigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kosten zweckmäßig und notwendig sind oder ob sich das Ganze möglicherweise als unwirtschaftlich entpuppt. Hauptsache, es gibt einen unmittelbaren beruflichen Anlass für die Reise.

Allerdings: Nur angemessene Kosten sind abziehbar …

In dem konkreten Fall besaß ein GmbH-Geschäftsführer ein einmotoriges Privatflugzeug. Er nutzte die Maschine in einem Jahr für 111 Flugstunden, davon knapp 30 Stunden für Flüge zu beruflichen Auswärtsterminen. Kostenpunkt nach seiner Rechnung: insgesamt 17.000 Euro, die er komplett in seiner Steuererklärung ansetzte.

Das Finanzamt und das hessische Finanzgericht als Vorinstanz erkannten davon keinen einzigen Euro als Werbungskosten an. Dagegen klagte der jettende Geschäftsführer.

… denn die Wahl des eigenen Flugzeugs hat private Gründe

Der BFH sieht die Sache differenzierter. Die Wahl des Flugzeugs steht nicht von vorneherein einem Kostenabzug entgegen. Vielmehr ist entscheidend, dass die Aufwendungen die Lebensführung des Geschäftsführers berühren, also private Gründe haben.

Heißt im konkreten Fall: Ohne die Begeisterung für das Fliegen hätte der Kläger diese Kosten nicht selbst getragen, obwohl sein Arbeitgeber ihm bei der Wahl eines anderen Verkehrsmittelns die Reisekosten erstattet hätte (BFH-Urteil vom 19.1.2017, Aktenzeichen VI R 37/15).

Konsequenz: Die Flugkosten mit der eigenen Maschine sind nur in angemessener Höhe abziehbar. Und genau die müssen die hessischen Finanzrichter jetzt im zweiten Anlauf ermitteln, denn der BFH hat den Fall dorthin zurückverwiesen.

Wovon hängt ab, was „angemessen“ ist?

Die Richter haben in das Urteil konkret reingeschrieben, welche Faktoren dabei zu berücksichtigen sind:

  • Wie wichtig ist das eigene Flugzeug für den beruflichen Erfolg und bezogen auf sein Geschäftsführergehalt? Und ist das bei vergleichbaren Tätigkeiten üblich?
  • Welche Rolle spielen die vermeintliche Zeitersparnis durch das Fliegen und dass er mit der Bahn oder einem Linienflieger die Fahrzeit für berufliche Tätigkeit oder zur Erholung hätte nutzen können?
  • Wie stark sind die privaten Motive, wenn der Geschäftsführer schon vorher Privatpilot war?

Anhaltspunkte für die Höhe der angemessenen Aufwendungen kann eine Schätzung anhand der durchschnittlichen Reisekosten einschließlich Nebenkosten liefern, also Flug- oder Bahnkosten inklusive Anfahrt sowie Parkgebühren.

Mit dem Sportflitzer beruflich fahren: Was geht steuerlich?

Für den einen ist es das Flugzeug, für den anderen sein Luxusauto. Hier stellt sich die gleiche Frage: Wann wird aus steuerlich zulässigen Reisekosten ein nicht abziehbarer, weil unangemessener Repräsentationsaufwand?

Auch extrem teure Fahrzeuge sind nicht von vorneherein steuerlich tabu. Aber abziehbar sind – wie beim Privatjet – nur die Kosten, die ein gewissenhafter Arbeitnehmer oder Unternehmer auf sich genommen hätte.

Bei dem Ferrari, den ein Tierarzt sporadisch für Fahrten zu Gerichtsterminen, Reisen und Fortbildungen nutzte, sind das 2 Euro pro Kilometer, so der BFH Lesen Sie dazu auch den Artikel „Mit dem Ferrari Tierleben retten“. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was der Mediziner ursprünglich ansetzen wollte.

Zum gleichen Ergebnis kam das Finanzgericht Baden-Württemberg bei einem Zahnarzt. Lesen Sie dazu den Artikel „Ferrari und Golfsport als Betriebsausgaben: Wann es zu viel Luxus ist“.

Fazit: Wenn Sie trotz guter Argumente nicht überzeugen können, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt Ihre Reisekosten zwar nicht komplett streicht, aber deutlich stutzt.