Donnerstag, 18. Juli 2019

Werbungskosten, Firmenwagen

Die aktuelle Rechtslage zur Pendlerpauschale 2014

Autoschlüssel Funk

Können Sie die Pendlerpauschale oder die tatsächlichen Reisekosten abziehen?

Artikel erstellt von:  Andreas Wüst
Datum: 28.07.2014

Zahlreiche Arbeitnehmer wohnen nicht direkt neben der Arbeitsstätte, sondern müssen weite Strecken zurücklegen. Diese können in der Einkommensteuererklärung die sogenannte „Pendlerpauschale“ als Werbungskosten abziehen. Zu dieser Pauschale gibt es wieder einmal Neuigkeiten - lesen Sie hier alles zur aktuellen Rechtslage.

Im Grunde ist die Regel einfach: Wer angestellt ist und zur Arbeit fährt, kann in der Einkommensteuererklärung die Kosten für die Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte als Werbungskosten abziehen.

Pendlerpauschale: Wann, wie weit und wie viel?

Die Pendlerpauschale berechnet sich so: Arbeitstage im Jahr ohne Urlaub, Wochenenden und Feiertage mal einfache Entfernungskilometer mal 0,30 €. Hierbei ist die kürzeste Entfernung von der Wohnung zur Arbeit maßgebend.

Unser Rat: Bemühen Sie sich unbedingt um korrekte Angaben. Die Finanzverwaltung überprüft die kürzeste Entfernung auch anhand von Routenplanern. Bei erheblichen Falschangaben besteht die Gefahr, dass von der Finanzverwaltung ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet wird.

Beispiel: Arbeitnehmer Anton, der an 220 Arbeitstagen eine einfache Entfernung von 35 km zur Arbeit zurücklegt, kann in der Einkommensteuererklärung 220 Tage x 35 km x 0,3 €=2.130 € im Jahr als Werbungskosten geltend machen.

Interessant: Auch wer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder der Bahn fährt, "pendelt" zur Arbeitsstätte und kann die gleichen Werbungskosten geltend machen. In diesen Fällen ist die Pauschale aber auf 4.500 € begrenzt. Es gibt allerdings eine Besonderheit bei Bahnfahrten: Hier können Sie statt der Pendlerpauschale auch die tatsächlichen Fahrtkosten geltend machen, wenn Sie diese anhand von Belegen nachweisen.

Wichtig bei der Berechnung der Pendlerpauschale: Auch ein Arbeitnehmer, der mehrmals täglich zur Arbeit fährt, kann die Kosten nur einmal ansetzen. Fährt der Ehemann also zum Mittagessen von der Arbeit nach Hause, und dann wieder zurück, fährt er zwar vier Mal – steuerlich begünstigt ist aber nur eine Fahrt am Tag. Wird an einem Tag nur eine Hin- oder Rückfahrt vorgenommen - z.B. wenn von der Arbeit aus eine Auswärtstätigkeit angetreten wird und der Arbeitnehmer erst am nächsten Tag nach Hause fährt - kann an diesem auch nur die halbe Pauschale geltend gemacht werden (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 20.6.2012, Aktenzeichen K 4440/10).

Klargestellt wurde mit der Reisekostenreform 2014: Die Pendlerpauschale ist absetzbar, wenn der Arbeitnehmer von seiner Wohnung zu seiner "ersten Tätigkeitsstätte" fährt - also zu der Stätte, der er laut Dienst- oder Arbeitsvertrag dauerhaft zugeordnet ist. Im Zweifel ist das der Fall, wenn er mindestens zwei volle Arbeitstage pro Woche dort verbringt.

Wenn keine Pendlerpauschale, dann Reisekosten

Wann aber können Sie statt der begrenzten Pendlerpauschale die tatsächlichen Kosten als Reisekosten abziehen?

Bei Anfahren einer anderen als der "ersten Tätigkeitsstätte" handelt es sich automatisch um eine "beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit". Bei den Werbungskosten können Sie dann die Reisekosten statt der Pendlerpauschale ansetzen (Anlage N).

Auch wer vorübergehend woanders als an der ersten Arbeitsstätte tätig wird - z.B. wenn ein Berater sich zeitweise im Betrieb des Kunden aufhält - befindet sich stattdessen auf einer Dienstreise und es greifen die Regeln für die Auswärtstätigkeit.

Hier lässt sich mehr rausholen als bei der Pendlerpauschale: Wenn Sie ein Fahrtenbuch führen, dürfen Sie Ihre tatsächlichen Fahrtkosten geltend machen. Alternativ - je nachdem, was günstiger ist - können Sie auch Reisekostenpauschalen ansetzen, die bei PKW-Nutzung 30 Cent pro km betragen.

Davon abzugrenzen ist zudem, wenn man eine Zweitwohnung besitzt und diese am Ort der regelmäßigen Arbeitsstätte liegt. Die Fahrtkosten von der Zweitwohnung zur Arbeitsstätte werden hier mit der Reisekostenpauschale abgegolten. Bei Heimfahrten kann maximal einmal pro Woche die Entfernungspauschale abgezogen werden - dann ist wiederum die kürzeste Straßenverbindung maßgeblich.

Übrigens: Für Personen mit einem Behinderungsgrad über 70 gelten Besonderheiten.

Achtung Falschtanker: Pauschale deckt nach neuem BFH-Urteil nicht nur "normale", sondern alle Kosten ab

Was aber ist nun in dieser Pauschale wirklich enthalten? "Normale bzw. voraussehbare" Kosten hieß es in der bisherigen Rechtsprechung - ein dehnbarer Begriff, der für sich genommen herzlich wenig weiterhilft und bei dem sich eine Präzisierung durch die Gerichte förmlich aufdrängt. Denn was ist schon normal?

So war es auch in einem kürzlich durch den BFH entschiedenen Fall. Für den einen oder anderen Autofahrer dürfte es "unnormal" sein, wenn man sein Auto statt mit Benzin versehentlich mit Diesel betankt. Der Unglücksrabe im verhandelten Fall wollte jedenfalls die durch eine entsprechende Reparatur des Motorschadens verursachten Kosten von immerhin fast 4.300 Euro als Werbungskosten neben der Pendlerpauschale absetzen.

Das FG Niedersachen hatte Mitleid mit ihm und entschied, dass er die Kosten neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehen darf (Urteil vom 24.4.2013, Aktenzeichen 9 K 218/12). Der BFH schob dem Ganzen nunmehr einen Riegel vor (Urteil vom 20.3.2014, Aktenzeichen VI R 29/13). Grund: Im Gesetz steht, dass "sämtliche Aufwendungen" abgegolten sind. Es widerspreche somit dem Gesetz, wenn man nur "normale" Kosten, nicht aber derartige außergewöhnliche Kosten unter die Pauschale fasse. Pech für unseren Unglücksraben, aber Glück für Freunde der nachvollziehbaren Gesetzesanwendung.

Unfallkosten nicht abgedeckt - nachvollziehbar?

Mit der Entfernungspauschale sollen also sämtliche Aufwendungen auf dem Weg zur Arbeit abgegolten sein. Sie werden also mit dem Versuch, Kosten für Benzin, Öl, Reifen, Mautkosten oder Parkgebühren als zusätzliche Werbungskosten geltend zu machen, scheitern. Die Entfernungspauschale deckt alle diese Kosten ab.

Wirklich alles? Nein! Was in der Pauschale nicht enthalten ist und damit im Rahmen eines zusätzlichen Werbungskostenabzugs geltend gemacht werden kann, sind die Kosten, die bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeitsstätte passieren.

Beispiel: Unser glücklicher Ehemann aus dem obigen Fall verlässt morgens die Wohnung. Bevor er auf der Arbeit ankommt, baut er einen Unfall. Er kann die Reparaturkosten als Werbungskosten neben der Pendlerpauschale geltend machen.

Abwandlung: Auf dem Weg zum Mittagessen kauft unser Ehemann seiner Frau einen Strauß Blumen beim Blumenhändler, wofür er einen 2 km von der üblichen Strecke entfernten Abstecher machen muss. Die Reparaturkosten, die er nach einem Unfall auf diesem Weg bezahlt, kann er nicht als Werbungskosten gesondert geltend machen. 

Fazit: Wer sich gefreut hatte, dass jetzt im Bereich Pendlerpauschale alles klar ist, hat sich zu früh gefreut. Denn laut dem Falschbetankungsurteil des BFH soll die Pauschale alles abdecken - zu den Unfallkosten hat der BFH allerdings nichts gesagt. Damit wird es vorerst dabei bleiben, dass Unfallkosten gesondert geltend gemacht werden können.