Sonntag, 21. April 2019

Werbungskosten

Auch bei Leiharbeitnehmern gilt die Dreimonatsfrist

Containerschiff

Am Hafen arbeiten viele Leiharbeitnehmer. Bei den Verpflegungsmehraufwendungen gelten für sie aber keine Besonderheiten.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 29.07.2013

Wenn Arbeitnehmer auswärtig essen müssen, können Sie Verpflegungsmehraufwendungen geltend machen. Hier gelten aber Beschränkungen wie z.B. die Drei-Monats-Frist. Gilt das auch für Leiharbeitnehmer? Ja, sagt der BFH, obwohl sich Leiharbeitnehmer oftmals nicht auf eine längerfristige Tätigkeit am selben Ort einstellen können.

Arbeitnehmer, die auswärts tätig sind, können Verpflegungsmehraufwendungen als Werbungskosten geltend machen. Der Grund dafür ist einfach: Wenn man sich unterwegs verpflegen muss, entstehen in der Regel höhere Kosten. Und ist man beruflich unterwegs, sind diese höheren Kosten beruflich bedingt und somit abzugfähige Werbungskosten.

Der Gesetzgeber hat den Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen aber eingeschränkt. So können Sie nicht die tatsächlichen Aufwendungen für die Verpflegung abziehen, sondern nur Pauschbeträge. Sie betragen bei einer Abwesenheit pro Tag:

  • 24 Euro bei einer Abwesenheit von 24 Stunden
  • 12 Euro bei einer Abwesenheit von mindestens 14 Stunden
  • 6 Euro bei einer Abwesenheit von mindestens 8 bis 14 Stunden

Für Aufenthalte im Ausland sind abhängig vom Aufenthaltsort andere, in der Regel höhere Beträge abziehbar.

Der Abzug von Verpflegungsmehraufwendungen ist aber auch zeitlich beschränkt. Es gilt die Drei-Monats-Frist: Die Pauschbeträge können nur für die ersten drei Monate am selben auswärtigen Tätigkeitsort geltend gemacht werden. Dauert die Auswärtstätigkeit am selben Ort länger, geht man davon aus, dass sich der Arbeitnehmer auf die besondere Situation eingestellt hat und sich günstiger verpflegen kann.

Tipp: Unterbrechen Sie die Auswärtstätigkeit für mindestens vier Wochen, beginnt die Drei-Monats-Frist neu. Das gilt auch dann, wenn Sie nach der Unterbrechnung wieder an derselben auswärtigen Stelle tätig werden.

Die Drei-Monats-Frist gilt unabhängig vom Arbeitsverhältnis. Auch Leiharbeitnehmer können nur für die ersten drei Monate Verpflegungsmehraufwendungen geltend machen. Diese Frage hatte der Bundesfinanzhof zu klären und entschied zu Ungunsten des klagenden Hafenarbeiters (BFH-Urteil vom 15.5.2013, Aktenzeichen VI R 41/12), dass die Drei-Monats-Frist auch für Leiharbeitnehmer gelte.

Dieses Urteil ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass Leiharbeitnehmer stets an wechselnden Arbeitsorten eingesetzt werden und sich auch nicht immer auf eine längere Tätigkeit am selben Ort einrichten können. Denn die Länge eines Einsatzes am selben Ort ist dem Leiharbeitnehmer nicht immer bekannt. Im aktuellen Fall kommt hinzu, dass der Hafenleiharbeitnehmer zwar im selben Hafen, jedoch innerhalb des Hafens an unterschiedlichen Orten tätig war. Der Hafenarbeiter erfuhr erst am Ende eines Arbeitstages, wo und wann er am nächsten Tag erscheinen sollte. Trotzdem reichte dies dem BFH nicht aus, um hier zwischen Leiharbeitnehmern und "normalen" Arbeitnehmern zu unterscheiden.