Sonntag, 18. November 2018

Werbungskosten

Arbeitszimmer im Zweifamilienhaus nur begrenzt abziehbar

Häusliches Arbeitszimmer

Am Schreibtisch im häuslichen Arbeitszimmer

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 13.04.2013

Ein häusliches Arbeitszimmer kann nur in Ausnahmefällen steuerlich geltend gemacht werden. Ein außerhäusliches Büro unterliegt dagegen nicht den Abzugsbeschränkungen. Doch wo zieht man hier die Grenze? Gilt ein separat angemietetes Arbeitszimmer im ansonsten privat genutzten Zweifamilienhaus schon als außerhäuslich?

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können nur noch in Ausnahmefällen steuerlich geltend gemacht werden: Steht kein anderer Arbeitsplatz für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit zur Verfügung, können bis zu 1.250 Euro im Jahr abgezogen werden. Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, sind die Kosten in voller Höhe abziehbar.

Diese Einschränkungen gelten nicht, wenn es sich um ein außerhäusliches Arbeitszimmer handelt. Mieten Sie beispielsweise einen Raum in Ihrer Nachbarschaft an und nutzen diesen für Ihre Tätigkeit als Lehrer, können Sie die Aufwendungen für die Räumlichkeit in voller Höhe abziehen. Dies gilt auch dann, wenn sich der Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit in Ihrer Schule befindet.

Doch ab wann gilt ein Büro nicht mehr als häusliches, sondern als außerhäusliches Arbeitszimmer? Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte mit Urteil vom 15. Januar 2013 (Aktenzeichen VIII R 7/10) eine Entscheidung in einem Fall zu treffen, den man als Grauzone bezeichnen könnte.

Dabei ging es um einen angestellten Arzt, der nebenbei freiberuflich in seinem Arbeitszimmer tätig war. Die Besonderheit: Das Arbeitszimmer befand sich im selbst genutzten Zweifamilienhaus, war jedoch nicht mit dem Wohnbereich verbunden. Das Arbeitszimmer konnte nur über einen separaten Eingang betreten werden. Auch hatte der Arzt für den privaten und den betrieblich genutzten Bereich zwei separate Mietverträge abgeschlossen.

Der BFH entschied zu Ungunsten des Steuerpflichtigen, dass das separate Arbeitszimmer zur häuslichen Sphäre gehöre und deswegen die Aufwendungen nur beschränkt abzugsfähig seien. Das Urteil mag überraschen. Denn der BFH hatte in der Vergangenheit in ähnlichen Fällen gegensätzliche Entscheidungen getroffen: Wären Wohnung und Arbeitszimmer im selben Mehrfamilienhaus belegen, wäre laut ständiger Rechtsprechung des BFH nicht von einem häuslichen Arbeitszimmer auszugehen.

Doch im Falle des Arztes gab es einen gravierenden Unterschied: Das Zweifamilienhaus wurde inklusive Grundstück privat genutzt. Der Eingang zum Arbeitszimmer erfolgte zwar über einen separaten Eingang, nicht aber über frei zugängliches Gelände. Der Arzt musste sein Grundstück nicht verlassen, um das Arbeitszimmer zu erreichen. Demnach war das Arbeitszimmer der Wohnsphäre zuzurechnen und in der Folge die Aufwendungen für das Büro nur beschränkt abzugsfähig.