Dienstag, 15. Oktober 2019

Arbeitslohn, Ehe und Unterhalt

Optimale Steuerklassen für verheiratete Arbeitnehmer

Verdienstabrechnung

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 03.03.2013

Verheirate Arbeitnehmer, die beide arbeiten, haben die Qual der Wahl: III/V, IV/IV oder das Faktorverfahren? Was ist günstiger? Wir sagen Ihnen, was Sie unbedingt beachten sollten.

Arbeitende Ehepaare können zwischen folgenden Lohnsteuerklassen wählen:

  • III und V
  • IV und IV
  • IV und IV mit Faktorverfahren

Voraussetzung ist, dass beide Ehepaare unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben. Doch welche Lohnsteuerklassen-Kombination sollten Sie wählen? Zwei Punkte sollten Sie wissen:

  • Die Lohnsteuer ist nur eine Art Vorauszahlung auf die Einkommensteuer. Wenn Sie später eine Steuererklärung einreichen, wird die Lohnsteuer auf die Einkommensteuer angerechnet. Sie können also nicht viel falsch machen. Am Ende zahlen Sie nicht zuviel Steuern, wenn Sie eine Einkommensteuererklärung abgeben.
  • Die Wahl der Lohnsteuerklasse wirkt sich nicht nur auf die Steuern aus: Leistungen wie z.B. Arbeitslosengeld und Elterngeld hängen von Ihrem monatlichen Netto-Gehalt ab, also auch von Ihrer Steuerklasse.

Wichtig: Sollten Sie damit rechnen, mittelfristig Leistungen wie Eltern- oder Arbeitslosengeld in Anspruch nehmen zu müssen, sollten Sie Ihre Wahl darauf ausrichten. Denn eine schlechte Steuerklassenwahl kann hier tatsächlich zu einem finanziellen Nachteil für Sie führen.

Wenn außersteuerliche Faktoren aber keine Rolle spielen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie lieber

  • im Monat zu viel Steuern zahlen und später eine Steuererstattung erhalten,
  • monatlich mehr Geld zur Verfügung haben möchten und mit einer Steuernachzahlung leben können oder
  • die Lohnsteuer möglichst genau der späteren Einkommensteuerschuld entsprechen soll.

In den ersten beiden Fällen hängt es davon ab, wie groß der Gehaltsunterschied zwischen beiden Ehepartner ist. Bis zu einer Verteilung von 60 % zu 40 % führt die Steuerklassenwahl III/V in der Regel zu einer niedrigeren Lohnsteuer. Ist das Gehalt ausgeglichener, führt die Wahl IV/IV normalerweise zu einer niedrigeren Steuer.

Im dritten Fall wählen Sie am besten das Faktorverfahren. Das ist allerdings kompliziert, weil Sie dazu die Einkommensteuer des laufenden Jahres im voraus berechnen müssen. Diese Steuerprognose führt auch nicht zuverlässig zu einem exakten Ergebnis, so dass Sie auch beim Faktorverfahren mit einer späteren Nachzahlung oder Erstattung rechnen müssen. Das Faktorverfahren ist somit nur bedingt zu empfehlen.

Das Bundesministerium der Finanzen hat zu diesem Thema ein geändertes Merkblatt für das Jahr 2013 veröffentlicht, das bei der Steuerklassenwahl von angestellten Ehepartnern behilflich sein soll. Tatsächlich macht es vor allem deutlich, wie komplex selbst so einfache steuerrechtliche Themen wie die Steuerklassenwahl mittlerweile geworden sind. Das Merkblatt finden Sie hier.