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Donnerstag, 3. Dezember 2020

Arbeitslohn

Kreuzfahrt-Rabatt für Reisebüro-Angestellte kein Arbeitslohn

Strand

Rabatt auf Kreuzfahrtreise kein Arbeitslohn.

Artikel erstellt von:  Annika Haucke
Datum: 24.05.2017

Für die Angestellten in Reisebüros ist es eine gute Nachricht: Die Preisnächlässe, die ihnen von Reiseveranstaltern für eine eigene private Buchung gewährt werden, sind steuerfrei. Dass der Rabatt nicht direkt vom Arbeitgeber (dem Reisebüro) kommt, sondern von einem Dritten, ändert daran nichts. Wir erklären, worauf es ankommt.

Kreuzfahrten sind für Angestellte des Reisebüros 80% billiger

Der vom Finanzgericht Düsseldorf entschiedene Fall betraf eine Reiseverkehrskauffrau, die mit ihrem Mann eine 14-tägige Hochseekreuzfahrt gebucht hatte. Dank eines Preisnachlass des Reiseveranstalters an den Inhaber des Reisebüros und dessen Angestellte zahlte sie statt des Katalogpreises von 6.330 Euro nur 1.540 Euro. Der Veranstalter wollte auf diese Weise die Geschäftsverbindung zu dem Reisebüro sichern.

Das Problem: Wenn Arbeitnehmer Rabatte oder ähnliche Vergüns­tigungen nicht unmittelbar von ihrem Arbeitgeber (in diesem Fall dem Reisebüro) erhalten, son­dern von einem Dritten (dem Reiseveranstalter), sieht das Finanzamt das oft als steuerpflichtigen Arbeitslohn an. So war es auch in dem konkreten Fall. Konsequenz: Für die gesparten Reisekosten von 4.790 Euro forderte es Lohnsteuer nach.

Die Reiseverkehrskauffrau wollte das nicht akzeptieren und klagte dagegen – mit Erfolg.

Preisnachlass kann Arbeitslohn von dritter Seite sein

Grundsätzlich kann ein Preisvorteil, den ein Arbeitnehmer von einem Dritten erhält, als Arbeitslohn steuerpflichtig sein, wenn er im Interesse des Arbeitgebers gewährt wird.

… aber nicht, wenn der Dritte damit eigene wirtschaftliche Ziele verfolgt

Das gilt aber nicht, wenn der Dritte den Rabatt aus eigenwirtschaftlichen Gründen gibt. Und genau so sah es das Finanzgericht Düsseldorf im Fall des Veranstalters der Kreuzfahrten (Urteil vom 21.12.2016, 5 K 2504/14 E).

Denn mithilfe des Rabatts von immerhin 80 % des Katalogpreises für Reisebüros und deren Angestellte verfolgte der Veranstalter von Hochseekreuzfahrten eigene wirtschaftliche Ziele: Er wollte sich einen zusätzlichen attraktiven Kundenkreis sichern, durch Synergieeffekte und zusätzliche Umsätze an Bord seiner Schiffe den Gewinn steigern sowie die Auslastung optimieren und dadurch die Kosten senken.

Für eine Belohnung wegen der Arbeitsleistung spricht nichts

Außerdem gibt es für die Richter keinen Hinweis darauf, dass der Reiseveranstalter die individuelle Arbeitsleistung der Klägerin entlohnen wollte. Dass die Klägerin die Vergünstigung nur wegen ihrer Tätigkeit als Reisebüroangestellte erhielt, reicht nicht aus, um den erforderlichen Zusammenhang zwischen Vorteil und Arbeitsleistung zu begründen.

Fazit der Richter: Es liegt kein steuerpflichtiger Arbeitslohn vor. Die Sache ist endgültig entschieden, denn eine Revision beim Bundesfinanzhof wurde nicht zugelassen.

Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter mit steuerfreien Extras motivieren können

Wenn – anders als in dem eben dargestellten Fall – ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern tatsächlich etwas Gutes tun will, ohne dass diese dafür Steuern zahlen müssen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon: Personalrabatte auf das eigene Sortiment.

Die sind an sich zwar steuerpflichtig, erfreulicherweise gibt es hierfür aber einen Freibetrag: Unternehmen dürfen von ihnen hergestellte oder angebotene Produkte nach Abzug eines Abschlags von 4 % bis zu einem Wert von 1.080 Euro jährlich steuerfrei an ihre Arbeitnehmer abgeben. So kann etwa ein Bekleidungsgeschäft seinen Angestellten einen teuren Anzug oder ein wertvolles Kleid mit hohem Personalrabatt steuerfrei zur Verfügung stellen.