Mittwoch, 16. Oktober 2019

Arbeitslohn

Die Recherche-Tätigkeit einer Journalistin kann steuerfrei sein

Interview

Interview

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 16.05.2013

Eine Auslandskorrespondentin, die für ihre Recherche nach Deutschland kommt, wird damit nicht automatisch steuerpflichtig. Denn laut Finanzgericht Düsseldorf ist auf den Mittelpunkt der geistigen Arbeit abzustellen. Und der liegt vornehmlich an dem Ort, wo die redaktionelle Arbeit ausgeführt wird.

Journalisten sind oftmals grenzüberschreitend tätig und dehnen ihre Recherche in das Ausland aus. Die Frage ist: Werden Sie dadurch im jeweiligen anderen Land steuerpflichtig?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Denn sobald eine Tätigkeit in einem Staat ausgeübt wird, könnte dieser Staat Steuern auf dort erzielte Einkünfte erheben. Für den Fall, dass ein Journalist nach Deutschland kommt, hat das Finanzgericht Düsseldorf die Frage aber eindeutig beantwortet: Demnach ist auf den Mittelpunkt der geistigen Tätigkeit abzustellen. Der Ort der Recherche-Tätigkeit des Auslandskorrespondenten tritt in den Hintergrund (Urteil vom 19.2.2013, Aktenzeichen 10 K 2438/11 E). In der Folge ist die Recherche-Tätigkeit nicht in Deutschland zu besteuern, wenn die geistige redaktionelle Arbeit im Ausland durchgeführt wird.

Im konkreten Fall ging es um eine in Österreich arbeitende Journalistin. Die Journalistin pendelte täglich zur Arbeit, war aber ab und zu in Deutschland und in anderen angrenzenden Staaten für Recherche-Zwecke unterwegs. Ihr Wohnsitz lag weiterhin in Deutschland und dort wurde sie auch zusammen mit ihrem Ehemann veranlagt.

Das Finanzamt unterwarf zunächst die vollen ausländischen Einkünfte der Besteuerung. Denn als unbeschränkt Steuerpflichtiger unterliegt man in Deutschland mit seinen Welteinkünften der Einkommensteuer, sobald man hier einen Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt hat. Im Einspruchsverfahren konnte die Journalistin aber das größte Übel abwenden und die Versteuerung in Österreich und den dortigen Arbeitgeber nachweisen. Somit drehte sich das Interesse des Finanzamts nur noch um die Arbeitstage außerhalb Österreichs.

Das interessante Ergebnis: Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Österreich wäre eine Tätigkeit in Deutschland auch in Deutschland zu besteuern. Das Gericht sah aber die Recherche im Ausland als eine in Österreich ausgeübte Tätigkeit an. Die Journalisten war zwar physisch in Deutschland, galt aber DBA-technisch weiterhin als in Österreich tätig.

Können Journalisten, die nur kurzzeitig in Deutschland aktiv sind, sich nun von der deutschen Besteuerung in Sicherheit fühlen? Nein. Denn das letzte Wort ist wahrscheinlich noch nicht gesprochen. Im oben genannten Verfahren wurde die Revision zugelassen. Und ob andere Finanzgerichte in vergleichbaren Fällen genauso entscheiden bleibt fraglich.