Mittwoch, 17. Juli 2019

Firmenwagen, Arbeitslohn

Firmenwagen-Besteuerung: Strengere Auslegung bei Juniorchef

Porsche 911

Ist ein Porsche 911 für Urlaubs- und Einkaufsfahrten ungeeignet? Das Finanzamt behauptet das.

Artikel erstellt von:  Andreas Reichert
Datum: 01.07.2013

Wenn der Chef verbietet, mit dem Firmenwagen privat zu fahren, muss man auch keinen geldwerten Vorteil für die Privatnutzung versteuern. Was aber passiert, wenn das Verbot vom Arbeitgeber und Vater ausgesprochen wird? Das Finanzgericht Düsseldorf lässt ein einfach ausgesprochenes Verbot in diesem Fall nicht durchgehen.

Folgender Fall: Der Juniorchef und künftige Geschäftsinhaber bekommt von seinem Arbeitgeber und Vater einen Firmenwagen. Der Firmenwagen - ein Audi A6 Kombi - trägt die Initialen des Sohnes im Kennzeichen. Der Sohn darf den Audi aber angeblich nur beruflich und nicht privat nutzen. Das geht zumindest aus einer Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag hervor.

Ob das Fahrzeug wirklich nur für berufliche Zwecke genutzt wurde, konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Ein Fahrtenbuch wurde nicht geführt. Auch konnte die Lohnsteuerprüferin keine Überwachung des Nutzungsverbotes feststellen. Der Sohn fuhr zwar zusätzlich zum Firmenwagen einen Privatwagen, jedoch nicht seit Beginn der Nutzung des Firmenwagens. Außerdem handelte es sich bei dem Privatwagen um einen Porsche 911 Carrera.

Das Finanzamt vermutete daher, dass die Möglichkeit bestand, den Audi privat zu nutzen. Der Vater überwachte die Nutzung durch den Sohn offensichtlich nicht und für bestimmte Fahrten sei ein Sportwagen einfach sehr unpraktisch, z.B. für Urlaubs- oder Einkaufsfahrten oder für Fahrten bei Eis und Schnee. Es sei davon auszugehen, dass der Kombi auch für Privatfahrten genutzt wurde.

Dem folgte das Finanzgericht mit Urteil vom 11.4.2013 (Aktenzeichen 11 K 2935/11 E). Zwar behauptete der Vater in der mündlichen Verhandlung noch, dass das Nutzungsverbot "durch einen Blick aus den Fenstern der Wohnung, der Betriebs- und Kellerräume überwacht worden" sei. Doch das war dem Finanzgericht zu wenig. Der geldwerte Vorteil für die mögliche private Nutzung des Firmenwagens in Höhe von 8.232 Euro pro Jahr war für die Jahre 2007 bis 2009 nachzuversteuern.

Empfehlung: Bei Verträgen zwischen Angehörigen schaut das Finanzamt genau hin und wendet strengere Maßstäbe an. Beachten Sie dies bei Ihrer steuerlichen Planung. Achten Sie auch insbesondere auf den Drittvergleich: Verträge zwischen nahen Angehörigen, die zwischen fremden Dritten so nicht zustande gekommen wären, entfalten steuerlich in der Regel nicht die gewünschte Wirkung.