Samstag, 24. August 2019

Firmenwagen

Besteuerung von Firmenwagen: 1%-Regel oder Fahrtenbuch?

Cabrio

Eine private Nutzung des Firmenwagens bietet sich oftmals an.

Artikel erstellt von:  Ralf Niewald
Datum: 30.04.2014

Bei privater Nutzung des Firmenwagens gibt es zwei Möglichkeiten, den geldwerten Vorteil zu versteuern. Entweder führt man ein Fahrtenbuch und weist so den tatsächlichen Anteil der privaten Nutzung nach, oder man besteuert die Privatnutzung pauschal. Lesen Sie im Folgenden, in welchen Fällen die 1%-Regelung oder doch das Fahrtenbuch steuerlich günstiger ist.

Häufig wird das betriebliche Kraftfahrzeug nicht nur für dienstliche Fahrten zur Verfügung gestellt, sondern darf auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz oder private Zwecke genutzt werden. Bei privater Nutzung ist der dadurch entstehende geldwerte Vorteil zu versteuern. Dies ist auf zwei Arten möglich.

1.       Die Pauschale nach der 1%-Methode

Für Nichtarbeitnehmer ist die 1%-Methode nur auf Fahrzeuge anwendbar, die zu mindestens 50 Prozent betrieblich genutzt werden. Dazu zählen auch die Fahrten zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz sowie Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung.

Die Pauschale beträgt monatlich ein Prozent des inländischen Bruttolistenpreises und wird wie folgt berechnet: Zunächst wird der inländische Listenneupreis für das Fahrzeug inklusive aller Extras ermittelt. Zu diesem Wert kommt noch die Umsatzsteuer.  Außerdem werden für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit pro Kilometer und Monat zusätzlich 0,03% dieser Summe fällig.

Beispiel: Barbara Schmidt kauft einen Jahreswagen für 20.000 Euro zuzüglich 3.800 Euro Umsatzsteuer. Der Bruttolistenpreis des Fahrzeugs inklusive Ausstattung beträgt 25.000 Euro zuzüglich 4.750 Euro Umsatzsteuer. Die Arbeitsstätte von Frau Schmidt ist 10 km von der Wohnung entfernt. Der geldwerte Vorteil beträgt:

Für die Privatnutzung: (25.000 Euro + 4.750 Euro) x 1% = 297,50 Euro

Für die Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte: (25.000 Euro + 4.750 Euro) x 10km x 0,03% = 89,25 Euro

Es ergibt sich somit ein monatlich zu versteuernder Betrag von 386,75 Euro. Bei einem Steuersatz von 35 Prozent entspricht das einer Steuerbelastung von 135,36 Euro.

2.       Das Fahrtenbuch

Als Alternative bietet es sich an, die private Nutzung mit einem Fahrtenbuch genau zu dokumentieren. Dabei müssen neben den dienstlichen und privaten Fahrten auch die Strecken zwischen Wohnung und Arbeitsstätte sowie Familienheimfahrten getrennt erfasst werden. Entscheidend für die steuerliche Belastung ist dann der Anteil an den Gesamtkosten des Fahrzeugs, der auf Privatfahrten entfällt. Je nach tatsächlicher Nutzung des Fahrzeugs ergeben sich dann individuell die anteiligen Kosten für Benzin, Versicherung und Wartung.

Das Führen eines Fahrtenbuchs hat den Vorteil, dass Sie sich am Ende des Jahres für die günstigere Variante entscheiden können. Denn wenn die 1%-Regel günstiger als die Fahrtenbuchmethode sein sollte, können Sie immer noch auf die Pauschalmethode zurückgreifen.

Allerdings ist das Führen eines Fahrtenbuchs aufwändig. Zudem muss es ordnungsgemäß geführt sein, um vom Finanzamt anerkannt zu werden (s. Artikel „Wie Arbeitnehmer ein Fahrtenbuch führen sollten“ vom 30.03.2013). Tipp: Prüfen Sie besser im Vorhinein, ob sich das Führen eines Fahrtenbuchs wirklich für Sie lohnt.

3.       Wann ist das Fahrtenbuch günstiger?

Das Fahrtenbuch ist immer dann günstiger, wenn die pauschale 1%-Methode zu einem höheren Privatanteil führen würde. Je öfter Sie das Fahrzeug beruflich nutzen, desto eher lohnt sich das Führen eines Fahrtenbuches.

Auch wenn Sie ein gebrauchtes Fahrzeug beruflich nutzen, lohnt sich sehr wahrscheinlich das Führen eines Fahrtenbuches. Denn die 1%-Methode wird anhand des ursprünglichen Bruttolistenpreises des Fahrzeugs berechnet.

Berechnung für einen Jahreswagen und einen älteren gebrauchten Pkw aus dem obigen Beispielsfall:

 

 

Jahreswagen

Älterer gebrauchter Pkw

Kaufpreis

20.000 Euro netto +

3.800 Euro USt

5.000 Euro netto +

950 Euro USt

Listenpreis

25.000 Euro netto +

4.750 Euro USt

25.000 Euro netto +

4.750 Euro USt

Nutzungsdauer

6 Jahre

3 Jahre

Jahresfahrleistung

25.000 km

25.000 km

Entfernung zur Arbeit

10 km

10 km

Fahrten zur Arbeit/Jahr

4.400 km

4.400 km

Sonstige Privatfahrten

10.000 km

10.000 km

Benzinkosten

2.625 Euro netto +

498,75 Euro USt

2.625 Euro netto +

498,75 Euro USt

Steuer, Versicherung

1.000 Euro

1.000 Euro

Reparatur, Wartung

1.000 Euro netto +

190 Euro USt

1.000 Euro netto +

190 Euro USt

AfA

3.333,33 Euro

1.666,67 Euro

Kfz-Kosten gesamt

7.958,33 Euro

6.291,67 Euro

1) 1%-Regelung

 

 

- 1% auf Privatfahrten

3.570 Euro

3.570 Euro

-  0,03% auf Fahrten zur Arbeit

1.071 Euro

1.071 Euro

- 1% gesamt, Privatnutzung

4.641 Euro

4.641 Euro

2) Tatsächliche Privatnutzung

(14.400/25.000*7.958,33)

4.584 Euro

(14.400/25.000*6.291,67)

3.624 Euro

3) Auswirkung

 

 

- Nachteil durch 1%-Methode

57 Euro

1.071 Euro

- Steuerliche Auswirkung bei 35% Steuersatz

19,95 Euro

355 Euro

 

Fazit: Die steuerliche Auswirkung kann, wie das Beispiel zeigt, erheblich sein, wenn es sich um einen Gebrauchtwagen handelt, und ein Fahrtenbuch kann sich plötzlich lohnen. Wir raten Ihnen daher, in Ihrem Einzelfall unbedingt zu überprüfen, ob das Führen eines Fahrtenbuchs für Sie in Frage kommt.